Diese Geschichte beginnt mit einem Wochenende, einer alten Hütte und einer Truhe, die über hundert Jahre lang ein Geheimnis bewahrt hat — geduldig und still, bis drei Kinder aus Struthütten kamen und genau hinschauten.
Lina, Ben und Mia kennen das Siegerland. Sie kennen die Wälder, die Bäche, die stillen Täler. Und sie wissen, dass man manchmal nur die Augen offen halten muss — dann zeigt die Landschaft, was sie birgt.
Das Kunstertal ist ein solcher Ort. Der Herzbach fließt durch ein ruhiges, grünes Tal, das von alten Buchen und sanften Hängen umgeben ist. An manchen Stellen ist sein Wasser klar, an anderen schimmert es rostrot und ockerfarben — Spuren des Bergbaus, der diese Gegend lange geprägt hat. Der Weiher neben der Hütte dagegen liegt still und klar zwischen den Bäumen. Wer dort ein Wochenende verbringt, denkt an Schwimmen, an Vogelgesang, an Gesellschaftsspiele am Abend.
Nicht an Gold.
Aber manchmal findet einen genau das, womit man nicht rechnet.
Wilhelm Krämer schrieb vor mehr als hundert Jahren etwas nieder — sorgfältig und genau, ohne zu wissen, wer es eines Tages lesen würde. Und doch schrieb er es auf.
Das finde ich bemerkenswert.
Lina (11)
Lina ist neugierig, aufmerksam und voller Fantasie. Sie liebt Geschichten, alte Häuser und alles, was nach einem Geheimnis aussieht. Wenn andere nur einen vergilbten Zettel sehen, fragt Lina sich sofort, wer ihn geschrieben hat, warum er aufbewahrt wurde und welche Geschichte dahintersteckt.
Mit der Handykamera hält sie fest, was die anderen vielleicht übersehen würden: Staub in einem Lichtstrahl, eine alte Handschrift, den Blick eines Menschen, der sich an etwas erinnert. Lina ist nicht immer die Lauteste, aber oft diejenige, die spürt, wann ein Moment wichtig ist.
Ihre größte Stärke ist ihre Mischung aus Mut und Gefühl. Sie merkt, wenn jemand traurig wird, wenn eine Spur mehr bedeutet als nur einen Hinweis — und wann eine Geschichte behutsam erzählt werden muss.
Ben (10)
Ben ist witzig, mutig und meistens hungrig. Er tut gern so, als nehme er alles nicht ganz ernst, doch gerade sein Humor hilft den anderen, wenn eine Suche schwierig wird oder eine Spur ins Leere läuft. Ben bringt Leichtigkeit in Situationen, in denen Mia schon grübelt und Lina die Kamera sinken lässt.
Er denkt nicht immer lange nach, bevor er etwas sagt oder tut. Manchmal ist das anstrengend, manchmal genau richtig. Denn Ben fragt Dinge, die Erwachsene nicht erwarten, und sieht Lösungen, auf die sonst niemand kommt. Hinter seinen Sprüchen steckt ein großes Herz.
Wenn es darauf ankommt, bleibt Ben an der Seite seiner Freundinnen. Er kann albern sein, ungeduldig und verfressen, aber er ist auch loyal, ehrlich und erstaunlich mutig im richtigen Moment.
Mia (9)
Mia ist ruhig, klug und sehr genau. Sie liest gern, merkt sich Fakten und erkennt Zusammenhänge, die anderen erst später auffallen. Während Lina einer Spur mit Gefühl folgt und Ben mit einem Witz die Spannung löst, ordnet Mia die Hinweise wie Puzzleteile.
Sie interessiert sich für Geschichte, alte Dokumente, Karten und Kunst. Wenn ein Name, eine Jahreszahl oder eine Adresse auftaucht, schreibt Mia sie auf. Nicht weil sie alles besser wissen will, sondern weil sie verstanden hat, dass kleine Einzelheiten manchmal entscheidend sind.
Mias Stärke ist ihre Geduld. Sie schaut zweimal hin, fragt nach, vergleicht und gibt nicht auf, nur weil eine Spur kompliziert wird. Dadurch wird sie zum Kopf des Teams.
Gemeinsam
Lina, Ben und Mia sind sehr unterschiedlich — und gerade deshalb passen sie so gut zusammen.
Lina bringt Neugier, Gefühl und den Blick für verborgene Geschichten mit. Ben bringt Humor, Mut und die Fähigkeit, auch in schwierigen Momenten weiterzugehen. Mia bringt Ruhe, Wissen und den Blick für die entscheidenden Details.
Allein hätte keiner von ihnen das Geheimnis des Herzbachs lösen können. Erst zusammen werden sie stark.
Ihre Freundschaft ist der eigentliche Schlüssel dieses Abenteuers: Vertrauen, Zusammenhalt und der Mut, füreinander da zu sein, auch wenn die Suche länger dauert als gedacht.
Kapitel 1 – Was tun in den Ferien?
Die Ferien hatten genau so angefangen, wie Ben es sich vorgestellt hatte.
Gar nicht.
Er lag auf dem Rücken auf der Wiese hinter Linas Haus, schaute in den Himmel und wartete darauf, dass irgendetwas passierte. Der Himmel war blau. Die Wolken zogen langsam. Irgendwo summte eine Biene.
„Es ist zu warm zum Nichtstun“, sagte er.
„Dann tu etwas“, sagte Lina.
„Ich tue etwas. Ich denke nach.“
„Worüber?“
„Darüber, was wir tun könnten.“
Lina saß im Gras, ein Buch auf den Knien, das sie seit einer Weile nicht mehr aufgeschlagen hatte. Mia saß neben ihr und zeichnete – irgendetwas, das für Lina aus dem Augenwinkel wie eine Libelle aussah, obwohl man sich bei Mia nie ganz sicher sein konnte.
Es war der dritte Tag der Sommerferien.
In den ersten zwei Tagen waren sie Fahrrad gefahren, hatten am Bach gesessen und einmal versucht, eine Wasserrakete zu bauen, die beim ersten Versuch in die falsche Richtung geflogen und beim zweiten Versuch einfach gar nicht geflogen war.
Ben hatte gesagt, das sei kein Scheitern, sondern Wissenschaft.
Lina hatte gesagt, Wissenschaft sei auch nicht immer spannend.
Mia hatte den Aufprall der Rakete dokumentiert.
„Wir könnten zelten“, sagte Ben.
Lina hob den Kopf.
„Zelten“, wiederholte Ben. „Draußen. In einem Zelt. Natur.“
„Ich weiß, was Zelten ist.“
„Dann weißt du auch, dass es eine gute Idee ist.“
Mia hörte auf zu zeichnen. „Wo?“
„Im Kunstertal“, sagte Ben. „Da ist es schön. Wald, Bach, keine Leute.“
Lina dachte kurz nach. Das Kunstertal kannte sie — sie waren alle drei schon dort gewesen, bei Wanderungen mit den Eltern oder auf dem Weg zur Grube Kunst. Es war tatsächlich schön dort: alte Bäume, ein kleiner Bach, der sich durch das Tal schlängelte, und die Stille, die man in Struthütten selbst manchmal vermisste, obwohl Struthütten schon sehr still war.
„Ich schau mal nach“, sagte sie.
Sie zog ihr Handy heraus und tippte. Der Heimatverein hatte eine Website — sie hatte sie schon einmal besucht, wegen irgendeiner Frage über die Grube Kunst. Jetzt suchte sie nach den Begriffen Freizeitanlage, Zelten und Kunstertal.
Sie fand es schnell.
Die Freizeitanlage im Kunstertal ist ein Ort der Begegnung für alle. Bitte beachten: Übernachten und Zelten auf dem Gelände ist nicht gestattet.
Lina las den Satz zweimal.
Dann legte sie das Handy ins Gras.
„Geht nicht“, sagte sie.
Ben setzte sich auf. „Was?“
„Zelten. Auf der Freizeitanlage ist es nicht erlaubt.“
Ben ließ sich wieder zurückfallen. „Natürlich nicht.“
„Es gibt sicher einen Grund dafür.“
„Ich sage ja nichts gegen den Grund. Ich sage nur: natürlich nicht.“ Er starrte wieder in den Himmel. „Als wäre irgendetwas Spaßiges je einfach erlaubt.“
Mia legte den Stift ins Notizbuch. „Man könnte woanders zelten.“
„Wo?“, fragte Ben.
„Irgendwo im Tal. Nicht auf der Freizeitanlage.“
„Braucht man da nicht auch eine Genehmigung?“
„Kommt drauf an, wem das Land gehört.“
Stille.
Die Biene summte weiter. Eine zweite gesellte sich dazu.
Beim Mittagessen erwähnte Lina die Zeltidee beiläufig — so beiläufig, dass es offensichtlich war, dass sie es nicht beiläufig meinte.
Ihr Vater hörte zu, während er Brot schnitt.
„Kunstertal“, sagte er.
„Ja.“
„Zelten.“
„Eigentlich schon. Aber auf der Freizeitanlage geht es nicht.“
Ihr Vater legte das Messer hin. Er hatte diesen Ausdruck, den er manchmal hatte — wenn er an etwas dachte, das noch nicht ganz Form angenommen hatte, aber kurz davor war.
„Da ist eine Hütte“, sagte er schließlich.
Lina sah ihn an.
„Im Kunstertal. Unten, wo der Herzbach lang geht.“ Er trank einen Schluck Wasser. „Die gehört einem Bekannten von mir. Krämer. Er wohnt in Wissen, nutzt die Hütte kaum noch.“ Er zuckte mit den Schultern. „Ich könnte ihn fragen.“
„Ob wir zelten dürfen?“
„Ob ihr das Wochenende dort verbringen dürft. Die Hütte hat Betten. Und eine Wiese. Und einen Weiher, glaube ich.“ Er überlegte. „Und der Herzbach fließt direkt vorbei.“
Lina vergaß kurz, gleichmäßig zu atmen.
„Würdest du das wirklich fragen?“
„Ich kann es versuchen.“ Ihr Vater nahm wieder das Messer. „Keine Versprechen.“
Lina schickte Ben und Mia noch während des Mittagessens eine Nachricht.
Ben antwortete mit vier Ausrufezeichen.
Mia antwortete mit: Herzbach. Da gibt es Libellen.
Die Antwort kam noch am selben Abend.
Linas Vater stand in der Küchentür und hatte das Telefon in der Hand. Er schaute aus, als würde er gleich etwas sagen, was ihn selbst ein wenig überraschte.
„Er sagt ja.“
Lina ließ den Löffel fallen.
„Wirklich?“
„Herr Krämer sagt: klar“, sagte Linas Vater. „Er freut sich sogar, wenn da endlich mal wieder jemand ist.“ Er lächelte leicht. „In der Truhe liegen Gesellschaftsspiele, falls es regnet. Und die Küche ist wohl voll ausgestattet.“
„Wann?“
„Dieses Wochenende, wenn ihr wollt. Freitagnachmittag bis Dienstag.“
Lina saß einen Moment still.
Dann stand sie auf, ging aus der Küche, die Treppe hoch in ihr Zimmer, schloss die Tür — und machte ein Geräusch, das sich ungefähr so anhörte wie unterdrückte Begeisterung, die beschlossen hatte, nicht länger unterdrückt zu bleiben.
Am nächsten Morgen saßen die drei auf der Bank hinter dem Sportplatz und planten.
Ben hatte eine Liste geschrieben. Die Liste war lang.
Mia hatte eine kürzere Liste geschrieben und dabei Bens Vorschläge aussortiert.
„Grillgut brauchen wir nicht“, sagte Mia. „Da ist eine Küche.“
„Grillen ist aber schöner als Kochen.“
„Wir sind zu dritt. Wir kochen abwechselnd.“
„Ich kann nicht kochen.“
„Du kannst Nudeln.“
„Nudeln ist kein Kochen.“
„Es reicht.“
Lina hatte eine Karte des Kunstertals aufgerufen und schaute auf den eingezeichneten Herzbach. Der Bach war schmal — eher ein großer Bach als ein richtiger Fluss — und zog sich durch das gesamte Tal, bevor er irgendwo im Norden in die Sieg mündete.
„Der Herzbach“, sagte sie leise.
„Was ist mit ihm?“, fragte Ben.
„Nichts.“ Lina legte das Handy hin. „Ich frage mich nur, wie er ist. Wenn man direkt daneben wohnt. Für ein Wochenende.“
Ben schaute sie an. „Du freust dich.“
„Natürlich freue ich mich.“
„Du klingst aber so, als würdest du nachdenken.“
„Ich kann beides gleichzeitig.“
Ben nickte. „Das glaube ich dir.“
Mia zeichnete den Herzbach in ihr Notizbuch — aus der Erinnerung, ohne die Karte anzuschauen. Die Linie war nicht ganz gerade, aber nah dran.
„Freitag“, sagte sie.
„Freitag“, bestätigte Lina.
Ben streckte die Arme aus und schaute in den Sommerhimmel, der wieder blau und warm und absolut unbeweglich dalag.
„Endlich“, sagte er.
Und diesmal klang es nicht ungeduldig.
Es klang wie Vorfreude.
Kapitel 2 – Ankunft an der Hütte
Der Freitagnachmittag war heiß.
Nicht die angenehme, leichte Wärme, die man sich für einen Sommertag wünscht, sondern die schwere, flimmernde Hitze, die sich auf die Schultern legt und einen langsamer macht, als man eigentlich sein möchte. Linas Vater hatte alle drei Rucksäcke in den Kofferraum geladen und dabei geschwitzt, obwohl er nur den Kofferraum zugeklappt hatte.
Auf dem Rücksitz saßen Lina, Ben und Mia mit dem, was nicht in die Rucksäcke gepasst hatte: eine Tüte mit Lebensmitteln, Bens Schlafsack, der aus irgendeinem Grund nicht zusammenzurollen war, und Mias Notizbuch, das sie auf den Knien hielt, als wäre es ein Tier, das man nicht im Kofferraum transportieren sollte.
„Wie weit ist es noch?“, fragte Ben.
„Zehn Minuten“, sagte Linas Vater.
„Das haben Sie vor fünf Minuten auch gesagt.“
„Dann sind es jetzt fünf Minuten.“
Ben lehnte sich zurück. „Gut.“
Die Straße ins Kunstertal wurde schmaler, je weiter sie fuhren. Zuerst war es noch eine normale Landstraße, dann ein Forstweg, dessen Ränder von hohem Gras gesäumt wurden, das gegen die Autotür streifte. Durch die Bäume sah man den Herzbach — manchmal nur als Glitzern zwischen den Stämmen, manchmal nah genug, um das Wasser rauschen zu hören.
„Da“, sagte Linas Vater.
Die Hütte stand auf einer kleinen Lichtung, umgeben von alten Buchen. Sie war kleiner, als Lina sie sich vorgestellt hatte — ein einziges Stockwerk, dunkles Holz, ein Schieferdach, an dem an einer Ecke eine Moosschicht wuchs, die so dick war, dass sie aussah wie ein grüner Hut. Davor eine Wiese, die schon seit einigen Wochen nicht mehr gemäht worden war. Dahinter, keine zwanzig Meter entfernt, der Herzbach.
Und seitlich, etwas versteckt hinter einem alten Weidenbaum: der Weiher.
Ben stieg als Erster aus. Er schaute sich um. Er sagte nichts.
Das war bei Ben immer ein gutes Zeichen.
„Schön“, sagte er schließlich.
„Hab ich gesagt“, sagte Linas Vater.
Sie luden die Rucksäcke aus. Linas Vater trug den schwersten, auch wenn Ben behauptete, er könne ihn selbst tragen, was stimmte, aber deutlich langsamer gegangen wäre. Die Hüttentür war unverschlossen — Herr Krämer hatte das so abgesprochen — und öffnete sich mit dem Geräusch von Holz, das sich in der Wärme ausgedehnt hatte und nicht ganz sicher war, ob es aufgehen wollte.
Innen roch es nach altem Holz und nach etwas, das Lina an ihre Großmutter erinnerte — nicht die Großmutter selbst, sondern das Haus der Großmutter, das immer nach getrockneten Kräutern und Bohnerwachs gerochen hatte.
Ein großer Raum. Ein Tisch mit vier Stühlen. Zwei Schlafkojen, in die Wand gebaut wie Schiffskojen in alten Büchern. Eine winzige Küche — Herd, Spüle, zwei Hängeschränke. Und in der Ecke: eine große, dunkle Holztruhe.
Kein Fernseher.
Ben bemerkte es sofort.
„Kein Fernseher.“
„Nein“, sagte Linas Vater.
„Absichtlich?“
„Wahrscheinlich.“
Ben nickte langsam, wie jemand, der eine schwierige Nachricht verarbeitet. Dann holte er sein Handy heraus und schaute auf den Bildschirm.
Ein Balken.
Er hielt das Handy höher. Immer noch ein Balken.
Er ging zum Fenster. Ein Balken. Er ging zur Tür. Auch ein Balken. Er ging einen Schritt nach draußen — und das Handy zeigte gar keinen Balken mehr.
„Kein Empfang“, sagte er.
„Ein Balken“, sagte Lina, die von drinnen zugeschaut hatte.
„Ein Balken ist kein Empfang. Ein Balken ist eine Lüge.“
Mia war an ihm vorbeigegangen und stand jetzt draußen auf der Wiese. Sie hatte das Gesicht in Richtung Herzbach gewandt und hörte zu — dem Wasser, dem Wind in den Buchen, irgendwelchen Vögeln, die Lina nicht identifizieren konnte.
„Hier ist es still“, sagte Mia.
„Sehr still“, sagte Ben.
„Das ist schön.“
Ben sah sie an. „Du findest es schön, dass kein Empfang da ist?“
„Ich finde es schön, dass es still ist. Das hängt zusammen.“
Ben öffnete den Mund. Dann schloss er ihn wieder.
Linas Vater blieb noch eine Stunde. Er zeigte ihnen, wo die Kerzen lagen, falls der Strom ausfiel, erklärte den Wasserhahn in der Küche, den man zuerst nach links und dann nach rechts drehen musste, bevor er funktionierte, und überprüfte, ob die Schlafsäcke warm genug waren. Dann umarmte er Lina, sagte allen dreien, sie sollten vorsichtig sein und bei echten Problemen die Nachbarn im nächsten Hof anrufen — deren Nummer hing am Kühlschrank —, und fuhr davon.
Das Auto wurde kleiner. Verschwand zwischen den Bäumen.
Und dann waren sie alleine.
Ben stand in der Mitte der kleinen Lichtung und schaute dem Auto nach. Dann drehte er sich um — zur Hütte, zur Wiese, zum Herzbach, der zwischen den Bäumen glitzerte.
„Also“, sagte er.
„Also“, sagte Lina.
Eine kurze Pause.
„Ich schick meiner Mutter kurz, dass wir da sind“, sagte Ben und tippte auf seinem Handy. Er wartete. Schaute auf den Bildschirm. Tippte noch einmal. Wartete wieder.
Die Nachricht blieb stehen. Nicht gesendet.
Ben seufzte tief. „Natürlich.“
„Vom Weiher aus geht es vielleicht“, sagte Mia. Sie hatte sich inzwischen auf einen Stein am Bachufer gesetzt und betrachtete das Wasser.
„Wieso vom Weiher?“
„Höher gelegen. Vielleicht besserer Empfang.“
Ben stapfte in Richtung Weiher. Hielt das Handy in die Luft. Drehte sich einmal um die eigene Achse.
„Zwei Balken“, rief er.
„Dann schick von dort“, rief Lina zurück.
Eine Pause.
„Gesendet!“ Eine weitere Pause. „Meine Mutter antwortet schon. Sie schickt ein Herz.“
„Beruhigt?“
„Ja.“ Ben kam zurück. „Solange ich vom Weiher aus senden kann, ist alles gut.“
Lina lachte kurz. Ben auch, obwohl er so tat, als würde er es nicht.
Der Abend kam langsam.
Die Sonne verschwand hinter dem Hügelrücken, aber es blieb noch lange hell — das goldene, ruhige Licht, das nur im Sommer so aussieht und das man sich das ganze Jahr lang vorstellt, wenn man an Sommer denkt.
Sie saßen draußen auf der Wiese und aßen Brot mit Käse, weil niemand Lust hatte, jetzt schon zu kochen. Der Herzbach plätscherte. Über dem Weiher zogen Schwalben ihre Runden. Irgendwo im Wald rief ein Vogel, einmal, zweimal, dann nicht mehr.
Mia hatte ihr Notizbuch auf den Knien und zeichnete den Weiher.
Ben aß sein drittes Stück Brot und schaute in Richtung Hütte.
„In der Truhe lagen Gesellschaftsspiele“, sagte er. „Herr Krämer hat das gesagt.“
„Heute nicht mehr“, sagte Lina. „Heute ist es zu schön dafür.“
„Und morgen?“
„Morgen schauen wir.“
Ben nickte. Er war einverstanden.
Lina schaute auf den Herzbach. An manchen Stellen war das Wasser klar und flach, sodass man die Steine auf dem Grund sehen konnte. Ein Stück weiter schimmerte es rostrot, als hätte jemand Erde oder alten Rost hineingerührt. Ihr Vater hatte einmal erklärt, dass so etwas in dieser Gegend vom Bergbau kommen konnte — vom Eisen im Boden und von alten Gruben, die noch immer ihre Spuren hinterließen. Sie dachte an nichts Bestimmtes — oder vielleicht an alles auf einmal, aber so leise, dass es sich nicht wie Denken anfühlte.
Als es endlich dunkel wurde und sie in die Hütte gingen — die Schlafkojen waren enger als gedacht, aber weich — sagte Ben aus seiner Koje heraus in die Dunkelheit: „Ich glaube, das hier ist gut.“
„Ja“, sagte Lina.
Mia sagte nichts.
Aber ihr Zeichenstift hatte aufgehört zu kratzen.
Das war bei Mia dasselbe wie Ja.
Die drei Freunde erleben noch viele weitere Abenteuer im Siegerland und darüber hinaus – von verborgenen Schätzen über vergessene Stollen bis hin zu Geheimnissen, die niemand mehr für möglich gehalten hätte.
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Titel des Buches: Gold im Herzbach
Autor: Lothar Reuter
Anschrift: Lothar Reuter, Rothebornsweg 9, 57290 Neunkirchen, Deutschland
E-Mail: LotharReuter@web.de
1. Auflage 2026
© 2026 Lothar Reuter. Alle Rechte vorbehalten.
Verantwortlich für den Inhalt:
Lothar Reuter, Rothebornsweg 9, 57290 Neunkirchen, Deutschland
Druck und Vertrieb der Print- und E-Book-Ausgabe:
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Die Inhalte dieses Buches, einschließlich Texte, Layout und Struktur, unterliegen dem Urheberrecht.
Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts bedarf der schriftlichen Zustimmung des Autors.
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Haftungsausschluss
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Dieses Buch ist eine Kindergeschichte über Freundschaft, Neugier, Zusammenhalt und die Freude am Entdecken — geschrieben für Leserinnen und Leser ab 10 Jahren.
Die Handlung und die Figuren sind frei erfunden. Das Kunstertal und der Herzbach existieren wirklich und gehören zur Landschaft des südlichen Siegerlands. Auch die Freizeitanlage im Kunstertal, der Heimatverein Struthütten und die Bergbaugeschichte der Region orientieren sich an realen Orten und Überlieferungen, die für diese Erzählung literarisch verarbeitet wurden.
Die Sütterlin-Schrift wurde bis in die vierziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts in deutschen Schulen gelehrt und kann heute noch von manchen älteren Menschen gelesen werden.
Ob es Gold im alten Bachbett des Herzbachs gibt — das bleibt das Geheimnis dieser Geschichte.
Die Abenteuer von Lina, Ben und Mia sowie die Aufzeichnungen von Wilhelm Krämer sind frei erfunden.
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Hinweis zu den Abbildungen
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Die im Buch enthaltenen Illustrationen wurden mithilfe von ChatGPT von OpenAI nach inhaltlichen und gestalterischen Vorgaben des Autors KI-basiert erstellt.
Lothar Reuter, geboren 1956 in Kreuztal, blickt auf ein vielseitiges Berufsleben zurück. Nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann war er viele Jahre im IT-Bereich eines Energienetzbetreibers tätig. Dabei begegnete er Menschen in ganz unterschiedlichen Rollen und Verantwortungsbereichen — Erfahrungen, die seine Sicht auf Zusammenarbeit, Vertrauen und Kommunikation nachhaltig geprägt haben.
Seit seinem Ruhestand engagiert er sich aktiv in seiner Heimatregion, unter anderem im Heimatverein. Bereits zuvor war er in verschiedenen Vorstandsämtern örtlicher Vereine tätig.
Als Vater dreier erwachsener Kinder und stolzer Großvater von drei Enkelkindern schöpft er aus einem reichen Schatz persönlicher und beruflicher Erfahrungen.
Lothar Reuter lebt mit seiner Frau in Struthütten im Siegerland.
Mein herzlicher Dank gilt meiner Frau Anke Reuter.
Anke hat dieses Buch mit großer Sorgfalt mehrfach Korrektur gelesen und mir wertvolle Impulse zum Inhalt gegeben. Ihre Geduld, ihr kritischer Blick und ihre liebevolle Unterstützung haben maßgeblich dazu beigetragen, dass diese Geschichte ihre heutige Form gefunden hat.
Viele Gedanken, Ideen und kleine Details dieses Buches wären ohne ihre Unterstützung nicht entstanden.
