Zur Buchreihe

Eine fantastische Jugendbuchreihe über Freundschaft, Geheimnisse und das Erbe einer verlorenen Welt.

Alte Zeichen. Verborgene Orte. Geheimnisse tief unter den Bergen des Siegerlands.

Als Lina, Ben und Mia eine Spur aus der Vergangenheit entdecken, ahnen sie nicht, dass ihr Leben sich für immer verändern wird. Zwischen stillen Wäldern, vergessenen Stollen und uralten Anlagen stoßen die drei Freunde auf das Erbe einer längst verlorenen Welt.

Doch manche Geheimnisse schlafen nicht für immer. Und manche Aufgaben werden größer, je mehr man gelernt hat.

Diese Reihe verbindet Abenteuer, Mystery und Science-Fiction mit der besonderen Atmosphäre des Siegerlands – erzählt für Leserinnen und Leser ab 12 Jahren.

  1. Vorwort

Nicht jedes Abenteuer beginnt mit einem lauten Knall.

Manchmal zeigt es sich nur durch ein seltsames Licht am Himmel, ein unbekanntes Fahrzeug am Waldrand oder durch das Gefühl, dass etwas nicht stimmt.

Für Lina, Ben und Mia gehört das Ungewöhnliche längst zu ihrem Leben. Seit sie von der verborgenen Station unter dem Siegerland wissen, betrachten sie ihre Heimat mit anderen Augen. Hinter vertrauten Wegen, stillen Wäldern und alten Stollen können Geheimnisse verborgen liegen, die weit älter sind als alles, was die Menschen kennen.

Doch Wissen allein macht noch keinen Wächter aus.

Es braucht Mut, Zusammenhalt und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Genau das müssen die drei Freunde in diesem Abenteuer erneut beweisen. Denn während fremde Forscher dem Geheimnis der Station immer näher kommen, zeigt sich, dass die eigentliche Gefahr nicht nur auf der Erde lauert.

Lina, Ben und Mia müssen Entscheidungen treffen, die weit über ihr eigenes Leben hinausreichen.

Und wieder wird deutlich:

Nicht Größe, Stärke oder Macht entscheiden darüber, wer ein Held ist.

Manchmal sind es drei Kinder, die den Unterschied machen.

Was bisher geschah …

Vor einigen Jahren entdeckten Lina, Ben und Mia tief unter den Bergen des Siegerlands eine verborgene Anlage aus uralter Zeit. Was als neugierige Erkundung begann, führte sie zu Thalor, einem der letzten Wächter von Atlantis, und zu KERUS, einer künstlichen Intelligenz, die in der Station unter dem Hohenseelbachskopf erwachte.

Gemeinsam haben sie gelernt, Zeichen zu lesen, alte Systeme zu verstehen und Verantwortung zu übernehmen. In Band 9 brachte die atlantische „Wir Drei“ die Freunde zum ersten Mal weit über die Grenzen ihres Alltags hinaus. In Band 10 mussten sie beweisen, dass Mut ohne Vorsicht gefährlich ist – und Vorsicht ohne Mut manchmal ebenso.

In Band 11 führte sie ein gelöschter Post von Arjun Sharma nach Indien. Ein stiller Virusausbruch, verschmutzte Flüsse und das Schweigen der Behörden zeigten ihnen, dass Gefahr nicht immer laut ist. Mit Dr. Okafor, Arjun und KERUS halfen sie, verborgene Muster sichtbar zu machen – und lernten, dass Hinsehen manchmal der erste Schritt zur Rettung ist.

Nun beginnt eine Aufgabe, die nicht in den Tiefen eines Stollens wartet und nicht in einer vergessenen Halle verborgen liegt. Sie erscheint auf einem Fernsehbildschirm, in einer Nachrichtensendung, die eigentlich nur nebenbei laufen sollte.

Die drei Freunde

Lina ist siebzehn. Sie denkt schnell, beobachtet genau und spürt oft als Erste, wann aus einer Nachricht eine Aufgabe wird. Ihr Mut ist kein lautes Draufgängertum. Es ist die Fähigkeit, Angst zu haben und trotzdem stehen zu bleiben.

Ben ist sechzehn. Er macht Witze, besonders dann, wenn ihm mulmig ist. Aber wenn es ernst wird, bleibt er. Seine Sprüche lockern die Stimmung, doch seine Treue hält die Gruppe zusammen.

Mia ist fünfzehn. Sie ist ruhig, klug und technisch begabt. Wo andere Chaos sehen, erkennt sie Muster. Sie fragt nicht, ob etwas beeindruckend klingt, sondern ob es funktioniert.

Gemeinsam sind sie keine perfekten Helden. Sie sind drei Jugendliche aus dem Siegerland. Genau deshalb sind ihre Entscheidungen wichtig.

  1. Kapitel 1 – Ein Riss im Himmel

Der Regen hatte irgendwann in der Nacht aufgehört.

Über dem Siegerland hing ein grauer Sommermorgen. Dünne Nebelschleier lagen zwischen den Hügeln, und auf den nassen Straßen spiegelte sich das erste Licht. Eigentlich war es einer dieser Tage, an denen man sich noch einmal im Bett umdrehen wollte. Ein gewöhnlicher Morgen, ruhig und vertraut.

Doch an diesem Morgen fühlte sich nichts gewöhnlich an.

Lina saß am Küchentisch und hatte beide Hände um ihre Tasse gelegt. Der Kakao war längst kalt, aber sie bemerkte es nicht. Ihre Mutter stand am Fenster, ihr Vater saß neben ihr, und aus dem Fernseher kam die Stimme einer Nachrichtensprecherin, die sich sichtbar bemühte, ruhig zu bleiben.

Auf dem Bildschirm raste eine gewaltige Wasserwand auf eine Küstenstadt zu.

Menschen liefen zwischen stehenden Autos hindurch. Ein Bus wurde von der Flut erfasst und seitlich gegen ein Gebäude gedrückt. Container trieben wie leere Kartons durch einen Hafen, bevor die Kamera plötzlich abbrach und das Bild wieder ins Studio wechselte.

„Nach bisherigen Erkenntnissen ist der Komet gestern Abend in einem abgelegenen Bereich des Pazifiks eingeschlagen“, sagte die Sprecherin. „Die dadurch ausgelösten Flutwellen haben mehrere Küstenregionen verwüstet. Über das Ausmaß der Schäden gibt es weiterhin keine verlässlichen Angaben.“

Lina sah ihren Vater an.

„Wie groß war der Komet?“

Er schüttelte den Kopf. „Das weiß offenbar niemand genau.“

Im Fernsehen erschienen Satellitenbilder. Ein heller Fleck über dem Ozean. Wolkenmassen, die sich spiralförmig um eine dunkle Zone bewegten. Danach folgten Aufnahmen aus Japan, von Inseln im Pazifik und von der amerikanischen Westküste. Überall dasselbe Bild: überflutete Straßen, eingestürzte Häuser, Menschen auf Dächern.

Linas Mutter setzte sich endlich.

„Es ist furchtbar“, sagte sie leise.

Niemand widersprach.

Lina sah auf ihre Hände. Sie hatte den Fernseher ausblenden können, aber nicht das Gefühl, dass irgendetwas gerade unwiderruflich anders geworden war.

Zur gleichen Zeit stand Ben in seinem Wohnzimmer direkt vor dem Fernseher, obwohl sein Vater ihn schon zweimal gebeten hatte, sich zu setzen.

„Das Schiff liegt auf einer Straße“, sagte Ben. „Wie kann ein Schiff auf einer Straße liegen?“

„Die Welle muss es dorthin getragen haben.“

Ben starrte auf das Bild. Ein riesiges Containerschiff hatte sich zwischen zwei Häuserblocks verkeilt. Der Rumpf war aufgerissen, die Straße darunter nicht mehr zu erkennen.

Normalerweise hätte Ben irgendeinen Spruch gemacht. Vielleicht darüber, dass der Kapitän beim Einparken versagt hatte. Heute fiel ihm nichts ein.

Das Telefon klingelte.

Seine Mutter nahm ab, hörte zu und wurde innerhalb weniger Sekunden blass.

„Ja“, sagte sie. „Ja, wir sehen es gerade. Seid ihr sicher?“

Ben drehte sich zu ihr.

„Wer ist das?“

Sie hob nur kurz die Hand. Dann hörte sie weiter zu.

„Gut. Bleibt dort. Meldet euch wieder.“

Als sie auflegte, war es still.

„Tante Stefanie“, sagte sie. „Sie sind in Sicherheit. Aber Freunde von ihnen haben ihr Haus verloren.“

Ben setzte sich langsam.

Plötzlich waren die Bilder im Fernsehen nicht mehr nur Bilder. Dahinter standen Menschen mit Namen. Menschen, die jemand kannte. Menschen, die gestern noch geglaubt hatten, der nächste Morgen würde ganz normal beginnen.

Ben dachte an sein eigenes Zimmer, an sein Fahrrad im Flur, an die Ferien, die eigentlich vor ihm lagen. Nichts davon fühlte sich in diesem Moment noch wichtig an.

Bei Mia liefen drei Nachrichtenseiten gleichzeitig auf dem Tablet. Sie hatte die Lautstärke ausgeschaltet und las die Meldungen schneller, als ihr Bruder folgen konnte.

„Die Angaben stimmen nicht überein“, sagte sie.

„Welche Angaben?“

„Die Größe des Kometen. Manche sprechen von dreihundert Metern, andere von fast einem Kilometer.“

„Vielleicht weiß man es einfach noch nicht.“

Mia vergrößerte eine Grafik.

„Auch die Einschlagsbahn ist unklar. Bei einem natürlichen Himmelskörper müsste es deutlich mehr Beobachtungen geben.“

Ihr Bruder zuckte mit den Schultern. „Dann haben sie ihn eben zu spät entdeckt.“

„Vielleicht.“

Doch Mia klang nicht überzeugt.

Sie schloss das Tablet und starrte eine Weile auf ihr eigenes Spiegelbild im dunklen Bildschirm, als könnte sie dort eine Antwort finden, die die Nachrichtenseiten ihr nicht gaben.

Auf dem Schulweg trafen sich die drei wie immer an der Kreuzung. Ben kam mit dem Fahrrad, Mia zu Fuß. Lina wartete bereits neben der Bushaltestelle.

„Habt ihr die Nachrichten gesehen?“, fragte Ben.

Mia nickte. „Fast die ganze Nacht.“

„Du hast nicht geschlafen?“

„Doch. Zwei Stunden.“

Ben sah sie an. „Das zählt nicht als Schlaf.“

„Heute schon.“

Für einen Moment war da wieder etwas von ihrer gewohnten Leichtigkeit. Doch sie verschwand schnell.

Am Eingang klebte noch das Plakat vom letzten Schulfest, bunte Luftballons, ein lachendes Maskottchen. Es wirkte in diesem Moment fast wie aus einer anderen Zeit.

Vor der Schule standen Gruppen von Schülerinnen und Schülern zusammen. Niemand sprach über Klassenarbeiten, Ferienpläne oder Sport. Überall dieselben Bilder auf Handys, dieselben erschrockenen Gesichter.

Auch die Lehrer wirkten angespannt. In der ersten Stunde wurde der Unterricht unterbrochen. Der Schulleiter sprach über die Lautsprecheranlage und bat darum, Gerüchte nicht weiterzuverbreiten. Es gebe keine unmittelbare Gefahr für Deutschland. Trotzdem sollten alle aufmerksam bleiben und offizielle Hinweise beachten.

Ben beugte sich zu Lina.

„Wenn jemand extra sagt, dass keine Gefahr besteht, klingt es meistens so, als gäbe es doch eine.“

Lina antwortete nicht. Sie hatte seit dem Morgen ein merkwürdiges Gefühl. Nicht direkt Angst. Eher eine Unruhe, die sie nicht erklären konnte.

Es fühlte sich an, als würde irgendwo tief unter ihren Füßen etwas auf sie warten, das sie noch nicht benennen konnte.

In der großen Pause standen sie am Rand des Schulhofs. Mia tippte auf ihrem Handy durch neue Meldungen. Ben beobachtete zwei Lehrer, die leise miteinander sprachen.

Da spürte Lina plötzlich Wärme an ihrer Brust.

Sie erstarrte.

„Was ist?“, fragte Mia.

Lina griff unter ihren Pullover und zog das Metallzeichen hervor.

Es fühlte sich warm an. Nicht heiß. Aber deutlich wärmer als ihre Haut.

„Mein Zeichen reagiert.“

Ben wollte schon etwas sagen, doch Mia hatte inzwischen ihr eigenes Zeichen berührt.

„Meins auch.“

Ben sah zwischen ihnen hin und her. Dann zog er seinen Anhänger hervor.

Kaum lag das Metall in seiner Hand, verschwand der letzte Rest von Humor aus seinem Gesicht.

„Okay“, sagte er. „Das ist kein Zufall.“

Die Zeichen hatten sich in der Vergangenheit nie ohne Grund verändert. Manchmal hatten sie auf eine aktive Anlage reagiert. Manchmal auf eine Warnung. Und einmal auf etwas, das beinahe die ganze Erde bedroht hatte.

„Nach der Schule direkt zur Station“, sagte Lina.

„Ohne Umweg“, ergänzte Mia.

Ben nickte. „Bin dabei.“

Der restliche Unterricht zog sich endlos hin. Lina hörte kaum zu. Immer wieder berührte sie das Zeichen unter ihrem Pullover. Das Pulsieren blieb schwach, aber regelmäßig. Fast so, als würde tief unter den Bergen etwas auf sie warten.

Sie zählte im Stillen die Minuten bis zur letzten Stunde, so wie man sonst nur den Countdown zu den Sommerferien zählte – nur dass diesmal niemand wusste, worauf sie eigentlich zusteuerten.

Am Nachmittag liefen sie den vertrauten Weg in den Wald. Der Boden war feucht, und unter ihren Schuhen knirschten kleine Steine. Zwischen den Bäumen lag ein seltsames Licht. Zu hell für den grauen Himmel und doch gedämpft.

„Ist euch aufgefallen, wie viele Hubschrauber heute unterwegs sind?“, fragte Ben.

Mia nickte. „Zwei Richtung Süden. Einer nach Westen.“

„Natürlich hast du sie gezählt.“

„Natürlich.“

Als sie den verborgenen Zugang erreichten, legte Lina die Hand auf den Felsen. Ihr Zeichen leuchtete sofort auf. Ein tiefes Summen lief durch den Stein, dann glitt der Eingang lautlos zur Seite.

Die weißen Lichtlinien im Gang erwachten nacheinander. Anders als sonst waren sie nicht ruhig. Sie flackerten kaum sichtbar, als würde die Station selbst auf etwas reagieren.

„Das ist neu“, sagte Mia.

„Sehr beruhigend“, murmelte Ben.

Sie gingen schneller.

Die Tür zur großen Halle öffnete sich. Thalor stand vor der Kommunikationssäule und bemerkte sie zunächst nicht. Über ihm schwebte eine blau leuchtende Projektion der Erde. Rote Markierungen erschienen über dem Pazifik, über Nordamerika, Asien und mehreren Inselgruppen. Dazwischen liefen dünne goldene Linien, die sich ständig veränderten.

„Thalor?“, sagte Lina.

Er drehte sich um. Für einen kurzen Moment lag etwas in seinem Gesicht, das sie bei ihm kaum kannte.

Sorge.

Dann war es wieder verschwunden.

„Ihr seid früh.“

„Unsere Zeichen haben reagiert“, sagte Mia.

„Hat das mit dem Kometen zu tun?“, fragte Ben.

Thalor schwieg. Nicht lange, aber lange genug.

„Nicht unmittelbar.“

Lina trat näher. „Dann mittelbar?“

Sein Blick wanderte zurück zur Projektion.

„Was dort geschehen ist, verändert mehr, als die Menschen im Moment erkennen.“

„Was genau?“

Thalor hob eine Hand. Die Karte vergrößerte sich. Unter der Einschlagszone erschienen mehrere geometrische Formen, kaum sichtbar, tief unter dem Meeresboden.

Mia trat sofort näher. „Das sind keine natürlichen Strukturen.“

„Nein.“

„Atlantis?“, fragte Lina.

Thalor nickte langsam.

„Der Komet hat Material aus großer Tiefe an die Oberfläche geschleudert. Material, das dort seit Jahrtausenden verborgen war.“

Thalor deutete auf einen kleineren, dunkleren Punkt neben der Einschlagszone.

„Es gibt mehr“, sagte er. „Unter den geborgenen Trümmern befindet sich ein beschädigtes Fragment mit eingeätzten Symbolen. Es markiert einen Ort.“

Lina spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog. „Welchen Ort?“

„Das lässt sich noch nicht genau sagen. Aber der markierte Bereich schließt Mitteleuropa mit ein.“

Ben verschränkte die Arme. „Und jetzt finden Menschen es.“

„Sie werden es untersuchen.“

„Das klingt noch nicht gefährlich“, sagte Ben.

Thalor sah ihn an. „Große Katastrophen bringen Menschen dazu, zusammenzuarbeiten. Aber sie bringen sie auch dazu, nach Macht zu suchen.“

Mia blickte auf die Linien. „Wer untersucht die Bruchstücke?“

„Mehrere Staaten. Gemeinsam. Zumindest offiziell.“

„Und inoffiziell?“ Lina kannte die Antwort bereits.

„Inoffiziell versucht jeder herauszufinden, was die anderen wissen.“

Stille legte sich über die Halle.

„Gibt es Hinweise auf unsere Station?“, fragte Lina.

Thalor antwortete nicht sofort.

„Noch nicht eindeutig.“

Ben atmete aus. „Noch nicht ist mein neues Lieblingswort.“

Thalor lächelte nicht.

„Was dort draußen passiert ist“, sagte er ruhig, „setzt Dinge in Bewegung, die ich selbst noch nicht vollständig überblicke.“

Zum ersten Mal, seit sie ihn kannten, klang Thalor nicht nur vorsichtig.

Er klang unsicher.

Eine halbe Stunde später saßen die drei draußen auf einem umgestürzten Baumstamm oberhalb des Eingangs. Die Wolken waren aufgerissen, doch die Sonne stand bereits tief. Aus dem Tal waren Sirenen zu hören. Vielleicht eine Übung. Vielleicht eine Vorsichtsmaßnahme.

„Er hat uns nicht alles erzählt“, sagte Mia.

„Nein“, sagte Lina.

Ben warf einen kleinen Zweig in den Wald. „Vielleicht weiß er selbst nicht alles.“

„Das macht es nicht besser“, sagte Mia.

Lina blickte zwischen den Bäumen hindurch zum gegenüberliegenden Hang.

„Wir warten diesmal nicht einfach.“

Ben sah sie an. „Worauf?“

„Darauf, dass Thalor uns irgendwann erklärt, was los ist.“

Mia nickte langsam. „Wir beobachten selbst.“

Ben stand auf. „Eigentlich hatte ich auf ruhige Ferien gehofft.“

„Du hast nie ruhige Ferien“, sagte Mia.

„Stimmt auch wieder.“

Gemeinsam gingen sie zurück Richtung Ort.

Keiner von ihnen bemerkte den dunklen Wagen, der weit unten an einer Forststraße stand. Und keiner sah den Mann auf dem Hang, der eine Kamera mit langem Objektiv senkte, als sie zwischen den Bäumen verschwanden.

Auf dem Display war der Felsen zu sehen.

Und drei Jugendliche, die gerade aus einem Waldstück kamen, in dem es nach offiziellen Karten nichts Besonderes gab.

  1. Kapitel 2 – Fremde Gesichter im Dorf

In den nächsten Tagen schien das Siegerland gleichzeitig stiller und unruhiger zu werden.

Im Fernsehen liefen weiterhin Sondersendungen. Die Zahl der Vermissten stieg, Hilfsorganisationen sammelten Spenden, und Politiker versprachen internationale Zusammenarbeit. In der Schule wurde eine Hilfsaktion vorbereitet. Kartons standen im Eingangsbereich, auf denen „Decken“, „Kleidung“ und „Hygieneartikel“ geschrieben stand.

Für die meisten Menschen im Ort rückte der Alltag langsam wieder in den Vordergrund.

Für Lina, Ben und Mia nicht.

Sie begannen, genauer hinzusehen.

Mia war die Erste, die den dunklen Kombi bemerkte. Er stand am späten Nachmittag nahe dem Waldrand, halb hinter einer Hecke. Die Scheiben waren getönt. Kein Firmenlogo, keine Aufschrift, nichts Auffälliges.

Gerade deshalb fiel er ihr auf.

Ein normaler Wagen hätte sich nicht solche Mühe gegeben, unauffällig zu wirken.

Sie blieb nicht stehen. Sie ging weiter, als hätte sie den Wagen nicht bemerkt, zog aber ihr kleines Notizheft aus der Tasche und schrieb das Kennzeichen auf, ohne den Kopf zu drehen.

Am nächsten Morgen stand derselbe Wagen in der Nähe der Schule.

„Bist du sicher?“, fragte Ben, als sie sich in der Pause hinter der Turnhalle trafen.

Mia hielt ihm das Heft hin.

„Gleiche Nummer.“

„Vielleicht hat jemand einfach zwei Orte, an denen er gern herumsteht.“

„Mit laufendem Motor?“

Ben sah über den Hof zum Parkplatz. Der Kombi war inzwischen verschwunden.

„Okay“, sagte er. „Das ist seltsam.“

Lina zog die Stirn kraus. „Vielleicht beobachten sie nicht die Station, sondern uns.“

Für einen Moment sagte niemand etwas.

„Das wäre deutlich unangenehmer“, meinte Ben.

Lina merkte, wie sich ihr Magen zusammenzog, ganz so, wie er es sonst nur vor einer Klassenarbeit tat, für die sie nicht gelernt hatte.

Am Nachmittag trennten sie sich bewusst. Lina ging auf dem direkten Weg nach Hause, Mia nahm einen Umweg durch den Ort, Ben fuhr mit dem Fahrrad Richtung Sportplatz.

Es war Bens Idee gewesen.

„Wenn uns jemand folgt, fällt es eher auf“, hatte er erklärt.

„Und wenn tatsächlich jemand folgt?“, fragte Lina.

„Dann treffen wir uns später und tun so, als wäre das alles geplant gewesen.“

Mia hatte ihn lange angesehen. „Das ist kein Plan.“

„Es ist der Anfang eines Plans.“

Lina war sich nicht sicher, ob sie das beruhigend oder beunruhigend finden sollte. Vermutlich beides gleichzeitig.

Ben fuhr langsam am Waldrand entlang. Er tat so, als würde er nach etwas auf seinem Handy suchen. Tatsächlich beobachtete er einen Mann mit einer großen Kamera.

Der Mann trug eine graue Jacke und einen Rucksack. Er sah aus wie ein Wanderer. Aber er fotografierte nicht die Aussicht. Seine Kamera war immer wieder auf denselben Hang gerichtet. Genau auf den Bereich, unter dem die Station lag.

Ben stellte sein Fahrrad neben einer Bank ab und begann, an der Kette herumzuschrauben.

Der Mann wechselte die Position. Er fotografierte erneut. Dann sprach er leise in ein kleines Gerät an seinem Kragen.

Ben hob den Kopf nur kurz.

Kein normaler Wanderer.

Als der Mann sich plötzlich umdrehte, ließ Ben beinahe sein Fahrrad fallen. Er beugte sich sofort tiefer über die Kette.

„Na toll“, murmelte er laut genug, dass man es hören konnte. „Jetzt hängt das Ding schon wieder.“

Der Mann sah einen Moment zu ihm herüber. Dann ging er weiter.

Ben wartete, bis er hinter den Bäumen verschwunden war. Erst dann atmete er aus.

Später trafen sie sich bei Mia im Gartenhaus. Es war der einzige Ort, an dem sie ungestört sprechen konnten. Auf dem kleinen Tisch lagen Mias Notizheft, Linas Handy und eine grobe Karte des Waldes.

„Der Fotograf hat mit jemandem gesprochen“, sagte Ben. „Über Funk oder so.“

„Hast du etwas verstanden?“

„Nur ein Wort. Sektor.“

Mia sah zu Lina. „Das klingt nach systematischer Suche.“

„Oder nach einem sehr organisierten Naturfotografen“, sagte Ben.

Niemand reagierte.

„Schon gut.“

Lina erzählte von ihrer Begegnung auf dem Nachhauseweg. Ein Mann hatte sie angesprochen, freundlich und scheinbar zufällig. Er habe nach alten Stollen gefragt, nach ungewöhnlichen Lichtern im Wald und danach, ob Jugendliche manchmal in der Gegend klettern würden.

„Was hast du gesagt?“, fragte Mia.

„Dass ich mich nicht auskenne.“

„Hat er dir geglaubt?“

Lina dachte nach. „Ich glaube nicht.“

Ben lehnte sich zurück. „Wir haben also einen Kombi, einen falschen Wanderer und einen Mann, der Kinder über geheime Lichter ausfragt.“

„Nicht geheime Lichter“, korrigierte Mia. „Er hat nur ungewöhnliche Lichter gesagt.“

„Das macht es überhaupt nicht besser.“

In den folgenden Tagen kamen weitere Beobachtungen hinzu.

Beim Bäcker erzählte eine Kundin, dass Vermessungsfahrzeuge im Wald unterwegs seien. Ein Förster beschwerte sich darüber, dass fremde Leute Wege benutzten, die für Autos gesperrt waren. Auf dem Dorfplatz stand zeitweise ein Lieferwagen mit ausländischem Kennzeichen, dessen Fahrer auffällig lange telefonierte.

Ben fiel dabei etwas ein. „Vermessungsfahrzeuge? Vielleicht hat Herr Weber den Auftrag bekommen. Sein Betrieb macht so etwas seit dem Kometeneinschlag ständig.“

Niemand maß der Bemerkung besondere Bedeutung bei. Herr Weber kannte fast jede Baustelle und jeden Waldweg im Ort, und dass ausgerechnet er für solche Aufträge angefragt wurde, überraschte niemanden.

Nichts davon war für sich allein ein Beweis.

Zusammen ergab es ein Muster.

Und Muster, das hatte Thalor ihnen einmal gesagt, waren gefährlicher als einzelne Zufälle. Zufälle vergaß man. Muster führten irgendwann zu einer Adresse.

Am Donnerstagabend saßen die drei in Bens Zimmer. Auf dem Boden lagen Ausdrucke, handgezeichnete Karten und Mias Liste mit Uhrzeiten und Kennzeichen.

Ben zeigte auf drei Punkte.

„Der Kombi stand hier, hier und hier.“

Mia nickte. „Immer mit Sicht auf einen Zugang zum Wald.“

Lina markierte die Stelle, an der sie angesprochen worden war. „Und der Mann wusste, dass es Lichter gibt.“

„Vielleicht hat jemand beim letzten Flug etwas gesehen“, sagte Ben.

Mia schüttelte den Kopf. „Unser Beiboot war nur kurz über der Halle. Die äußere Öffnung war abgeschirmt.“

„Dann kommen die Informationen woanders her.“

Lina sah zur Karte. „Vom Kometen.“

Sie dachten an Thalors Worte. Materialspuren. Internationale Untersuchungen. Staaten, die offiziell zusammenarbeiteten und inoffiziell gegeneinander suchten.

„Wir müssen zu Thalor“, sagte Mia.

Ben nickte. „Diesmal mit allem, was wir haben.“

Sie beschlossen, am nächsten Nachmittag zur Station zu gehen.

In dieser Nacht konnte Ben lange nicht schlafen. Sein Fenster stand offen. Von draußen drang das leise Rauschen der Bäume herein.

Kurz nach Mitternacht hörte er einen Motor.

Er stand auf und trat ans Fenster.

Unten auf der Straße fuhr langsam ein dunkler Kombi vorbei. Das Licht war ausgeschaltet. Nur das schwache Leuchten des Armaturenbretts war zu sehen.

Der Wagen hielt am Ende der Straße.

Ben blieb reglos am Fenster stehen, bis seine Beine vor Kälte zu zittern begannen. Erst dann wagte er es, sich wieder ins Bett zu legen, die Augen offen, den Blick zur Decke gerichtet.

Am nächsten Morgen war Ben ungewöhnlich früh in der Küche. Seine Mutter stellte ihm ein Brot hin, doch er rührte es nicht an.

„Du hast kaum geschlafen“, sagte sie.

Ben wollte widersprechen, ließ es dann aber. Durch das Fenster konnte er bis zum Ende der Straße sehen. Der dunkle Kombi war verschwunden. Trotzdem fühlte sich die Straße nicht mehr sicher an.

„In der Schule sammeln sie heute noch einmal Sachen für die Küstenregionen“, sagte seine Mutter. „Tante Stefanie hat geschrieben, dass ihre Bekannten vorerst in einer Turnhalle untergebracht sind.“

Ben nickte. Die Bilder aus den Nachrichten waren plötzlich wieder da: Wasser zwischen Häusern, Menschen auf Dächern, ein Schiff mitten auf einer Straße. Für einen Augenblick kam ihm die Suche im Siegerland klein vor. Dann dachte er an Thalors Warnung. Wenn die alte Technik in falsche Hände geriet, konnten aus einer Katastrophe viele werden.

„Ich bringe nachher noch Decken zur Schule“, sagte er.

Seine Mutter sah ihn überrascht an. „Das ist eine gute Idee.“

Ben zwang sich zu einem Lächeln. Er wollte ihr sagen, dass sie die Türen abschließen und bei fremden Wagen vorsichtig sein sollte. Doch jede Warnung hätte Fragen ausgelöst, auf die er keine Antwort geben durfte.

Später vereinbarten Lina, Mia und Ben eine Erklärung für ihre häufigen Treffen: Sie wollten gemeinsam an einem Schulprojekt über den Kometeneinschlag arbeiten. Es war nicht völlig gelogen. Gerade deshalb klang es glaubwürdig.

„Meine Eltern werden trotzdem nachfragen“, sagte Lina.

„Meine auch“, meinte Mia. „Wir müssen feste Zeiten absprechen. Niemand bleibt einfach weg.“

Ben hob die Hand. „Und wenn es später wird, schreiben wir eine Nachricht.“

„Eine ehrliche Nachricht“, sagte Lina.

„So ehrlich, wie es geht“, verbesserte Mia.

Zum ersten Mal wurde ihnen deutlich, dass nicht nur sie selbst gefährdet waren. Wer sie beobachtete, konnte auch ihre Familien finden.

Dann stieg jemand aus.

Die Gestalt blieb einen Moment stehen und blickte direkt in Richtung von Bens Haus.

Ben trat instinktiv einen Schritt zurück.

Als er wieder vorsichtig aus dem Fenster sah, war die Person verschwunden.

Der Kombi stand noch da.

Und auf dem Dach blinkte für einen kurzen Moment ein kleines rotes Licht.

  1. Kapitel 3 – Was Thalor verschweigt

Am nächsten Nachmittag warteten Lina, Ben und Mia nicht bis zum Ende des Unterrichts, um über ihre Beobachtungen zu sprechen.

Sie hatten sich bereits in der ersten Pause darauf geeinigt, direkt zur Station zu gehen. Keine Umwege, keine zusätzlichen Nachforschungen, keine spontanen Alleingänge.

Vor allem der letzte Punkt war Mia wichtig gewesen.

„Ich mache keine Alleingänge“, hatte Ben gesagt.

„Du bist gestern allein am Fenster geblieben und hast einen verdächtigen Wagen beobachtet.“

„Das war kein Alleingang. Das war mein Zimmer.“

Lina hatte das Gespräch beendet, bevor es sich im Kreis drehen konnte.

Der Wald wirkte an diesem Nachmittag anders. Nicht verändert, aber beobachtet. Jedes Knacken schien lauter als sonst. Bei jedem Vogel, der aus einem Busch aufflog, zuckte Ben zusammen und tat danach so, als wäre nichts gewesen.

„Ihr seid auch nervös, oder?“, fragte er schließlich.

„Ja“, sagte Lina.

Mia nickte. „Sehr.“

Ben atmete hörbar aus. „Gut. Dann bilde ich es mir wenigstens nicht allein ein.“

Am Eingang zur Station blieb Mia stehen. Sie sah zurück auf den Weg.

„Da war etwas.“

Lina folgte ihrem Blick. Zwischen den Bäumen bewegte sich nichts.

„Was?“

„Ich weiß nicht.“

Sie blieb noch einen Moment stehen, die Augen auf die Stelle gerichtet, an der sie etwas gesehen zu haben glaubte. Dann schüttelte sie den Kopf, als könnte sie damit auch das ungute Gefühl abschütteln.

Ben legte die Hand an sein Zeichen. „Dann gehen wir besser rein.“

Der Fels öffnete sich. Kaum waren sie im Gang, schloss er sich wieder. Die weißen Lichtlinien leuchteten diesmal ruhig.

Thalor wartete in der großen Halle.

Er sah die Karte in Mias Hand, Bens Notizen und Linas angespanntes Gesicht. Ohne eine Frage zu stellen, deutete er auf die zentrale Plattform.

„Zeigt mir alles.“

Mia legte das Notizheft vor ihm ab. Lina öffnete die Karte. Ben berichtete von dem Mann mit der Kamera und vom Kombi vor seinem Haus.

Thalor unterbrach sie nicht ein einziges Mal.

Als sie fertig waren, stand er lange schweigend da.

„Du bist nicht überrascht“, sagte Lina.

„Doch“, antwortete Thalor. „Aber nicht aus dem Grund, den du vermutest.“

„Welcher Grund wäre das?“

Er sah sie an. „Ihr habt in wenigen Tagen etwas erkannt, wofür meine Systeme deutlich länger gebraucht haben.“

Ben hob die Augenbrauen. „War das gerade ein Lob?“

„Ja.“

„Gut. Ich wollte nur sicher sein.“

Thalor berührte die Kommunikationssäule. Eine Projektion der Erde erschien. Diesmal leuchteten nicht nur die bekannten Markierungen im Pazifik. Über mehrere Kontinente verteilt erschienen kleine goldene Punkte.

„Nach dem Untergang von Atlantis wurden Stationen auf der ganzen Erde angelegt“, sagte er. „Einige dienten der Beobachtung. Andere bewahrten Wissen oder Technik. Viele wurden nie wieder aktiviert.“

Lina versuchte sich vorzustellen, wie viele solcher Orte es wohl gab, verborgen unter Städten, Wäldern und Meeren, von den Menschen über ihnen völlig unbemerkt.

Mia trat näher. „Wie viele gibt es?“

„Ich kenne nicht alle Standorte.“

„Du bist Mitglied des Großen Rates“, sagte Ben. „Wie kannst du die Standorte nicht kennen?“

„Weil sie absichtlich getrennt wurden. Niemand sollte allein über das gesamte Netz verfügen.“

Lina dachte an die alten Systeme, die sie gefunden hatten. An die verborgenen Hallen. An die Schäden, die Macht und Misstrauen Atlantis zugefügt hatten.

„Und durch den Kometen wurden Spuren freigelegt“, sagte sie.

Thalor nickte. „Nicht nur Spuren. Eine Legierung, die auf der Erde nicht natürlich vorkommt. Energetische Rückstände. Kristallstrukturen, die heutige Wissenschaftler nicht erklären können.“

Lina dachte an das Fragment, von dem er ihnen am ersten Tag erzählt hatte. „Und das Fragment aus dem Pazifik? Hat es die Suche eingegrenzt?“

„Ohne dieses Stück hätten sie vermutlich noch Monate gebraucht, um überhaupt in diese Region zu blicken“, sagte Thalor. „Es hat den Kreis von der ganzen Erde auf einen einzelnen Kontinent verengt. Erst danach war die feinere Analyse nötig, um genauer zu suchen.“

Mia blickte auf die Karte. „Die Forscher vergleichen ihre Messwerte.“

„Ja. Nach der Katastrophe haben mehrere Staaten ihre Daten zusammengeführt. USA, Russland und China arbeiten in gemeinsamen Forschungsteams.“

Ben verschränkte die Arme. „Seit wann arbeiten die freiwillig zusammen?“

„Seit sie glauben, dass eine Entdeckung groß genug ist, um niemandem allein überlassen zu werden.“

„Oder groß genug, dass jeder sie zuerst haben will“, ergänzte Lina.

„Beides.“

Auf der Projektion erschienen Linien. Sie führten von der Einschlagszone zu Forschungszentren, Satelliten und schließlich zu mehreren Orten auf der Erde.

Einer davon lag in Europa.

Mia vergrößerte die Karte. „Deutschland.“

Thalor bestätigte es mit einem knappen Nicken.

„Wie kommen sie auf das Siegerland?“, fragte Lina.

„Die Materialproben reagieren auf bestimmte energetische Muster. Alte Stationen senden keine offenen Signale, aber sie verändern ihre Umgebung. Magnetfelder, Gesteinsstrukturen, Wärmeverteilung.“

Mia verstand zuerst. „Sie suchen nicht nach einer Tür. Sie suchen nach Abweichungen.“

„Genau.“

Ben sah zur Decke der Halle. „Und unsere Station ist eine ziemlich große Abweichung.“

„Sie ist sehr gut abgeschirmt“, sagte Thalor.

„Aber nicht perfekt“, sagte Lina.

Thalor schwieg.

Das genügte als Antwort.

„Warum hast du uns das nicht gleich gesagt?“, fragte sie.

„Weil ich nicht wusste, wie konkret die Gefahr ist.“

„Und jetzt?“

Er sah auf Mias Notizen. „Jetzt weiß ich, dass bereits Menschen in der Nähe suchen.“

Ben trat näher an die Projektion. „Sind wir in Gefahr?“

Thalor antwortete diesmal ohne Pause. „Möglicherweise.“

„Sehr beruhigend.“

„Ben“, sagte Mia.

„Was denn? Es ist wenigstens ehrlich.“

Lina blickte zu den goldenen Punkten. „Was passiert, wenn sie die Station finden?“

„Dann werden sie versuchen, Zugang zu erhalten.“

„Und wenn das nicht funktioniert?“

Thalors Gesicht wurde härter. „Dann werden einige von ihnen versuchen, Gewalt anzuwenden.“

Stille.

Das Summen der Station schien plötzlich lauter.

Ben hörte es zum ersten Mal bewusst, ein tiefes, fast beruhigendes Brummen, das jetzt wie eine Erinnerung daran klang, wie viel auf dem Spiel stand.

„Du glaubst, die Leute im Wald gehören zu diesen Staaten?“, fragte Mia.

„Vielleicht zu einem gemeinsamen Team. Vielleicht zu mehreren Teams, die einander beobachten. Ihre Ausrüstung wird uns mehr verraten.“

Ben zeigte auf seine Notizen. „Dann beobachten wir sie weiter.“

Thalor sah ihn an. „Nein.“

„Warum nicht?“

„Weil ihr keine ausgebildeten Beobachter seid.“

„Das stimmt“, sagte Lina. „Aber wir kennen den Ort. Wir kennen die Wege. Und wir fallen weniger auf als du.“

„Ihr könntet erkannt werden.“

„Vielleicht wurden wir schon erkannt“, sagte Ben leise.

Thalor blickte zu ihm.

Ben erzählte noch einmal von der Gestalt vor seinem Haus. Diesmal ohne Witz, ohne Übertreibung.

Als er fertig war, veränderte sich Thalors Haltung.

„Ihr geht nicht allein“, sagte er.

„Du kannst uns nicht begleiten“, erwiderte Mia. „Du würdest sofort auffallen.“

„Dann wartet ihr, bis ich andere Möglichkeiten geprüft habe.“

Lina schüttelte den Kopf. „Sie suchen jetzt. Nicht irgendwann.“

Zwischen ihr und Thalor entstand eine lange Stille.

Früher hätte sie nachgegeben. Nicht weil sie ihm blind vertraute, sondern weil er mehr wusste und fast immer recht gehabt hatte.

Heute war es anders.

„Wir wollen nicht beweisen, dass wir mutig sind“, sagte Lina ruhig. „Wir wollen verhindern, dass sie uns überraschen.“

Mia legte ihr Heft auf die Plattform. „Wir sammeln nur Informationen. Keine Annäherung, kein Kontakt.“

Ben hob zwei Finger. „Und keine Alleingänge.“

Mia sah ihn an. „Das war meine Regel.“

„Jetzt ist es unsere.“

Thalor betrachtete sie lange. Schließlich senkte er den Blick.

„Ihr habt euch verändert“, sagte er.

Ben grinste schwach. „Zum Besseren?“

„Nicht immer.“

„Das klingt wieder mehr nach dir.“

Thalor berührte die Plattform. Drei kleine Projektionen erschienen, jede in Form ihres Metallzeichens.

„Ich kann eure Position innerhalb eines begrenzten Bereichs erfassen. Wenn sich etwas verändert, brecht ihr sofort ab.“

„Einverstanden“, sagte Lina.

„Kein Heldentum.“

„Einverstanden“, sagte Mia.

Thalor sah zu Ben.

„Warum schaut jeder bei diesem Satz mich an?“

„Ben.“

„Ja. Einverstanden.“

Später verließen sie die Station durch einen zweiten Ausgang, den Thalor nur selten nutzte. Er führte weit oberhalb des normalen Weges in ein dichtes Waldstück.

Kurz bevor sich der Fels hinter ihnen schloss, sagte Thalor: „Vertraut niemandem, nur weil ihr ihn kennt.“

Der Satz begleitete sie auf dem ganzen Rückweg.

Keiner von ihnen sprach ihn laut aus, aber alle drei dachten an dieselbe Person, die sie vor wenigen Tagen noch für einen Verbündeten gehalten hätten.

Am Waldrand blieb Mia plötzlich stehen. Auf dem feuchten Boden waren frische Reifenspuren zu sehen. Sie führten von einer gesperrten Forststraße tiefer in den Wald.

Daneben lag etwas Kleines im Gras.

Lina hob es vorsichtig auf.

Es war ein schwarzer Kunststoffstreifen mit einer aufgedruckten Nummer und einem fremden Wappen.

Mia betrachtete es. „Das gehört zu einer militärischen Ausrüstung.“

Ben blickte in den Wald.

Zwischen den Bäumen bewegte sich ein Schatten.

Dann knackte ein Ast.

  1. Kapitel 4 – Der Mann mit der Kamera

Der Schatten verschwand, bevor einer von ihnen genauer hinsehen konnte.

Lina hob die Hand. Niemand bewegte sich.

Ein Vogel flatterte aus einer Baumkrone. Danach war nur noch das leise Tropfen von Wasser zu hören.

„Vielleicht war es ein Tier“, flüsterte Ben.

„Tiere tragen selten Kameras“, sagte Mia.

„Ich habe keine Kamera gesehen.“

„Ich auch nicht.“

„Dann könnte es ein Tier gewesen sein.“

Lina schob den schwarzen Kunststoffstreifen in ihre Jackentasche. „Wir gehen.“

Sie nahmen nicht den direkten Weg. Mia führte sie über einen schmalen Pfad, der hinter alten Fichten verlief und erst nahe dem Ort wieder auf die Straße traf. Niemand folgte ihnen sichtbar.

Trotzdem blickte Lina immer wieder zurück.

Jeder Schatten zwischen den Bäumen sah plötzlich aus, als könnte er sich bewegen.

Am nächsten Morgen trafen sie sich im Gartenhaus. Das kleine Fundstück lag auf dem Tisch. Mia hatte die Nummer fotografiert und mehrere Symbole verglichen.

„Das Wappen gehört zu keiner normalen Firma“, sagte sie. „Es ähnelt Kennzeichnungen, die bei internationalen Katastrophenschutzteams verwendet werden.“

Ben beugte sich darüber. „Katastrophenschutz mit versteckten Kameras?“

„Vielleicht ist es nur eine Tarnung.“

Lina sah auf die Karte. „Der Fotograf geht fast jeden Nachmittag denselben Weg.“

„Dann folgen wir ihm“, sagte Ben.

Mia hob sofort den Kopf. „Thalor hat gesagt, keine Annäherung.“

„Folgen ist keine Annäherung, solange wir weit genug wegbleiben.“

„Das ist eine sehr großzügige Auslegung.“

Lina dachte nach. „Wir müssen wissen, wohin er geht. Sonst haben wir nur Vermutungen.“

Mia war nicht überzeugt. Doch schließlich nickte sie. „Mit Regeln.“

Ben lehnte sich zurück. „Natürlich mit Regeln.“

„Wir bleiben zusammen. Wir gehen nicht näher als hundert Meter heran. Wenn er sich umdreht oder den Weg verlässt, brechen wir ab.“

„Und wenn wir ihn verlieren?“

„Dann verlieren wir ihn.“

Ben seufzte. „Das wird der vorsichtigste Abenteuerplan aller Zeiten.“

„Genau deshalb überleben wir ihn vielleicht“, sagte Lina.

Am Nachmittag warteten sie nahe dem Waldrand. Ben hatte sein Fahrrad dabei, Mia einen kleinen Rucksack, Lina ein Fernglas, das sie von ihrem Vater ausgeliehen hatte. Offiziell wollten sie Vögel beobachten.

„Welche Vögel?“, hatte ihr Vater gefragt.

„Waldvögel“, hatte Lina geantwortet.

Die Antwort war nicht besonders gut gewesen, aber er hatte nicht weiter gefragt.

Der Mann mit der Kamera erschien kurz nach vier Uhr. Dieselbe graue Jacke, derselbe Rucksack, dieselbe ruhige Art zu gehen. Er blieb an einer Weggabelung stehen, sah sich um und verschwand dann auf einem Pfad, der offiziell gesperrt war.

Die Kinder warteten fast eine Minute.

Dann folgten sie.

Am Anfang war es einfach. Der Mann hinterließ deutliche Spuren im weichen Boden. Seine Schuhe waren groß und hatten ein auffälliges Profil. Mia ging vorn und zeigte auf abgeknickte Gräser und frische Abdrücke.

„Du wärst eine gute Spurenleserin“, flüsterte Ben.

„Ich schaue nur hin.“

„Genau das meine ich.“

Der Weg wurde schmaler. Dornenranken zogen sich zwischen den Bäumen hindurch. Mehrmals mussten sie über umgestürzte Stämme klettern.

Nach einer Weile hörten sie Stimmen.

Lina gab ein Zeichen. Sie duckten sich hinter einen niedrigen Wall aus Erde und Wurzeln.

Durch das Fernglas sah Lina den Fotografen. Er stand auf einer kleinen Lichtung und sprach mit einer Frau in dunkler Kleidung. Neben ihr lagen zwei schwarze Koffer. Ein weiterer Mann kniete an einem Gerät, dessen Antenne langsam gedreht wurde.

„Was siehst du?“, flüsterte Mia.

Lina reichte ihr das Fernglas.

Mia beobachtete lange. „Richtantenne. Vielleicht Bodenradar. Und die Koffer sind stoßgesichert.“

„Also kein Picknick“, sagte Ben.

Die Frau zeigte auf ein Tablet. Der Fotograf blickte in Richtung des Hangs, unter dem die Station lag.

Dann setzte sich die Gruppe in Bewegung.

„Sie gehen tiefer rein“, sagte Lina.

„Wir sollten umkehren“, meinte Mia.

Ben sah zwischen den Bäumen hindurch. „Oder noch fünf Minuten.“

Mia wollte widersprechen, doch Lina hob die Hand. „Fünf Minuten. Dann zurück.“

Sie folgten weiter, diesmal deutlich langsamer.

Der Mann mit der Kamera bog vom Weg ab. Die Kinder mussten einen Umweg nehmen, um nicht aufzufallen. Ben blieb kurz mit seiner Jacke an einem Ast hängen. Als er sich befreite, trat er auf trockenes Holz.

Das Knacken klang im stillen Wald wie ein Schuss.

Vorn blieb der Fotograf stehen.

Die Kinder erstarrten.

Der Mann drehte sich langsam um.

Mia reagierte als Erste.

„Balu!“, rief sie plötzlich laut. „Balu, wo bist du?“

Lina verstand sofort. „Er muss hier irgendwo sein!“

Ben blickte die beiden an, dann begriff er.

„Der blöde Hund hört nie“, rief er und schob sich sichtbar zwischen den Bäumen hervor.

Der Fotograf sah ihn an.

Ben zwang sich zu einem genervten Gesichtsausdruck. „Haben Sie einen braunen Hund gesehen? Etwa so groß?“ Er hielt die Hand viel zu hoch.

Der Mann schwieg einen Moment. Sein Blick wanderte über Ben hinweg in den Wald.

„Nein“, sagte er schließlich.

„Na toll.“ Ben pfiff laut. „Balu!“

Lina und Mia kamen ebenfalls hervor. Sie versuchten, gelangweilt und harmlos auszusehen.

„Ihr solltet hier nicht herumlaufen“, sagte der Mann.

„Wir suchen nur den Hund“, antwortete Lina.

„Der Bereich ist gesperrt.“

Ben sah sich demonstrativ um. „Steht nirgendwo.“

Der Mann trat einen Schritt näher. „Geht zurück zum Weg.“

Seine Stimme war ruhig. Gerade deshalb klang sie wie ein Befehl.

„Machen wir“, sagte Mia.

Sie drehten sich um und gingen. Nicht zu schnell. Nicht zu langsam.

Erst als sie außer Sicht waren, flüsterte Ben: „Balu?“

„Mir fiel nichts Besseres ein“, sagte Mia.

„Du hast gesagt, er ist braun.“

„Das war Lina.“

„Ich musste irgendetwas sagen.“

Trotz der Angst musste Ben grinsen. „Unser imaginärer Hund hat uns gerade gerettet.“

Sie gingen jedoch nicht vollständig zurück. Hinter einer Senke fanden sie einen alten Wildwechsel, der parallel zur Route der Gruppe verlief. Von dort konnten sie weiter beobachten, ohne auf demselben Weg zu sein.

Nach weiteren zehn Minuten erreichten sie eine Anhöhe.

Unter ihnen lag ein getarnter Stützpunkt.

Zwischen grünen Planen standen zwei Zelte. Mehrere dunkle Fahrzeuge waren unter Tarnnetzen verborgen. Auf einem Tisch lagen Karten, Monitore und technische Geräte. Mindestens acht Personen bewegten sich ruhig und zielgerichtet über den Platz.

Keine Uniformen.

Aber alle trugen ähnliche Kleidung. Gleiche Stiefel, gleiche Funkgeräte, gleiche kleine Abzeichen am Ärmel.

Mia nahm das Fernglas. „Das ist professionell.“

„Militär?“, fragte Ben.

„Oder Geheimdienst. Vielleicht beides.“

Lina sah eine Karte auf einem großen Bildschirm. Darauf war der Wald in Sektoren eingeteilt. Einer der markierten Bereiche lag genau über der Station.

„Sie wissen, wo sie suchen müssen“, sagte sie.

Ein Mann trat aus dem größten Zelt. Er war etwa vierzig, trug keine Jacke und hatte ein schmales, ernstes Gesicht. Die anderen wichen ihm automatisch aus.

„Der leitet das hier“, flüsterte Ben.

Sie konnten seine Worte nicht verstehen, aber seine Gesten waren eindeutig. Er zeigte auf den markierten Sektor, dann auf mehrere Wege. Zwei Teams machten sich sofort bereit.

Mia zählte automatisch mit, wie sie es bei jeder neuen Beobachtung tat. Acht Personen im Lager, jetzt vier davon unterwegs. Die Zahlen halfen ihr, sich nicht von der Angst überwältigen zu lassen.

Mia hob ihr Handy und fotografierte durch das Fernglas. „Nur wenige Bilder. Kein Blitz.“

„Das hoffe ich sehr“, murmelte Ben.

Plötzlich erschien auf einem Monitor eine neue Linie. Sie lief direkt auf den Bereich zu, in dem die Kinder lagen.

Mia wurde blass.

Ihr Herzschlag hämmerte plötzlich so laut, dass sie fürchtete, man könnte ihn bis zum Lager hören.

„Was ist das?“

„Bewegungssensor“, sagte sie. „Oder Wärmebild.“

Unten sah der Einsatzleiter auf den Bildschirm.

Dann hob er den Kopf.

Direkt zu ihnen.

„Wir müssen weg“, sagte Lina.

Sie zogen sich geduckt zurück. Hinter ihnen wurden Stimmen laut. Ein Funkgerät knackte.

Ben rutschte auf dem feuchten Hang aus und fing sich gerade noch an einem Ast. Mia zog ihn hoch.

„Danke“, keuchte er.

„Später.“

Sie liefen nicht auf dem Weg, sondern quer durch das Unterholz. Dornen rissen an ihren Jacken. Zweige schlugen ihnen ins Gesicht. Hinter ihnen waren Schritte zu hören.

„Sie kommen“, sagte Ben.

Lina sah vor sich eine tiefe Mulde, durch die früher ein Bach gelaufen war. „Da runter!“

Sie sprangen in das trockene Bachbett und duckten sich unter eine umgestürzte Wurzel. Wenige Sekunden später liefen zwei Männer oberhalb an ihnen vorbei.

Einer blieb stehen.

Lina hielt den Atem an.

Der Mann blickte in die Mulde. Sein Funkgerät rauschte.

„Keine Sicht“, sagte er leise. „Vielleicht Wild.“

Eine Stimme antwortete. Er ging weiter.

Die Kinder warteten, bis nichts mehr zu hören war.

Dann krochen sie unter der Wurzel hervor.

Der Rückweg war angespannt still. Erst am Rand des Ortes blieben sie stehen.

Niemand wollte als Erster aussprechen, wie knapp es gewesen war.

„Sie haben uns fast gefunden“, sagte Mia.

Ben nickte. Er machte keinen Witz.

Lina sah zurück zum Wald. „Jetzt wissen sie, dass dort jemand war.“

„Aber nicht, wer“, sagte Ben.

Mia blickte auf ihr Handy. „Vielleicht doch.“

Auf dem letzten Foto war der Einsatzleiter zu sehen. Neben ihm stand der Mann mit der Kamera.

Und hinter beiden, halb verdeckt am Rand des Bildes, erkannte Lina ein Gesicht aus dem Ort.

Jemanden, den sie alle kannten.

  1. Kapitel 5 – Ein bekanntes Gesicht

Noch im Wald vergrößerte Mia das Foto auf ihrem Handy. Das Gesicht am Rand blieb unscharf, doch die Haltung, die graue Mütze und der schmale Bart waren unverkennbar.

„Herr Weber“, sagte Ben schließlich.

„Bist du sicher?“, fragte Lina, obwohl sie die Antwort schon kannte.

„Ganz sicher“, sagte Ben. „Ich habe letzten Sommer bei ihm im Betrieb ausgeholfen. Diese Mütze trägt er jeden Tag, selbst im Hochsommer.“

Mia ließ das Handy sinken. Ihre Finger zitterten leicht, nicht vor Kälte, sondern weil ein vertrautes Gesicht plötzlich an einen Ort gehörte, der nichts mit Schulfesten oder Nachbarschaftshilfe zu tun hatte.

Herr Weber leitete den kleinen Vermessungsbetrieb im Ort. Er hatte bei Schulfesten geholfen, kannte fast jede Familie und erzählte gern Geschichten über alte Stollen. Gerade deshalb traf die Entdeckung die drei besonders.

„Vielleicht arbeitet er nur für die Gruppe“, sagte Lina. „Das macht ihn nicht automatisch zu einem Feind.“

„Er steht in einem getarnten Lager neben Leuten mit Wärmebildkameras“, erwiderte Mia. „Das ist zumindest erklärungsbedürftig.“

Sie gingen nicht zur Station. Zuerst wollten sie herausfinden, welche Rolle Herr Weber spielte. Am nächsten Morgen beobachteten sie seinen Betrieb von der gegenüberliegenden Bushaltestelle. Zwei Firmenwagen standen auf dem Hof. Ein dritter, den sie noch nie gesehen hatten, trug das Logo GeoScan International.

Herr Weber kam aus dem Büro und begrüßte eine Frau aus dem Waldlager. Die beiden stritten leise. Mehrmals schüttelte er den Kopf. Dann zeigte er auf eine Karte und deutete energisch in Richtung des alten Steinbruchs – weg von der Station.

Die Bank an der Bushaltestelle war kalt, und der Wind trug jedes zweite Wort zu ihnen herüber, ohne dass ein ganzer Satz daraus wurde. Ben rutschte unruhig hin und her, bis Mia ihm einen Blick zuwarf, der deutlicher war als jede Ermahnung.

„Wenn wir jetzt auffallen, war die ganze Beobachtung umsonst“, flüsterte sie.

Lina beobachtete Herrn Weber genauer als die anderen beiden. Etwas an seiner Haltung erinnerte sie nicht an einen Verräter, sondern an jemanden, der sich zwischen zwei schlechten Möglichkeiten entscheiden musste.

„Er versucht, sie umzulenken“, flüsterte Lina.

Mia blieb vorsichtig. „Oder er zeigt ihnen eine zweite Stelle.“

Am Nachmittag suchten sie Herrn Weber in seiner Werkstatt auf. Zwischen Stativen, Messlatten und Werkzeugkisten wirkte alles vertraut. Trotzdem blieb Ben dicht bei der Tür.

Herr Weber sah sie an, als hätte er mit ihrem Besuch gerechnet. „Ihr drei solltet im Moment nicht allein im Wald herumlaufen.“

„Warum?“, fragte Lina.

„Weil dort Vermessungen stattfinden.“

„Mit Drohnen und Tarnnetzen?“, fragte Ben.

Herr Weber schwieg.

Mia legte das Foto auf die Werkbank. „Sie waren bei ihnen.“

Seine Schultern sanken. „Wo habt ihr das aufgenommen?“

„Das ist nicht wichtig“, sagte Lina. „Was suchen diese Leute?“

Herr Weber ging zur Tür, schloss sie und zog die Jalousie herunter. „Vor drei Wochen erhielt ich den Auftrag, alte Grubenpläne zu prüfen. Offiziell ging es um geologische Risiken nach dem Kometeneinschlag. Dann kamen Fragen nach Hohlräumen, Wärmefeldern und ungewöhnlichen Metallen. Mir wurde klar, dass sie nicht nach einem Bergschaden suchen.“

„Warum helfen Sie ihnen trotzdem?“, fragte Mia.

„Weil ich wissen wollte, wie nah sie dem Ziel schon sind. Und weil ich hoffte, sie auf falsche Spuren führen zu können.“

Ben verschränkte die Arme. „Das klingt ziemlich praktisch.“

„Ihr müsst mir nicht glauben.“ Herr Weber zog einen kleinen Datenträger aus der Tasche. „Hier sind ihre bisherigen Messpunkte. Nehmt ihn. Aber geht nicht mehr zu ihrem Lager.“

Lina nahm den Datenträger nicht sofort. „Wissen Sie, wer wir sind?“

Herr Weber sah sie lange an. „Ich weiß nur, dass ihr euch für einen Waldabschnitt interessiert, in dem laut meinen Karten nichts sein dürfte. Mehr will ich nicht wissen.“

Lina spürte, wie sich etwas in ihr löste. Es war nicht Vertrauen, noch nicht. Aber es war auch keine Angst mehr.

Herr Weber blieb mit beiden Händen auf der Werkbank stehen. Seine Finger waren rau und an mehreren Stellen von kleinen Schnitten gezeichnet.

„Als ich jung war, hat mein Vater mich in fast jeden alten Stollen der Gegend mitgenommen“, sagte er. „Nicht leichtsinnig. Er kannte die Berge und wusste, wo man gehen durfte. Einmal fanden wir tief im Gestein eine Fläche, die kein Bohrer zerkratzt hat. Mein Vater sagte damals, manche Dinge seien besser aufgehoben, wenn niemand von ihnen wisse.“

Für einen Moment sagte niemand etwas. Ben wollte fragen, ob Herr Webers Vater noch lebte, verkniff es sich aber. Manche Fragen gehörten nicht in eine Werkstatt mit heruntergelassener Jalousie.

Mia sah ihn aufmerksam an. „Sie haben schon früher Hinweise auf die Station gefunden.“

„Hinweise, ja. Einen Beweis nie.“ Herr Weber atmete schwer aus. „Als Varns Leute kamen, dachte ich zuerst, sie könnten erklären, was mein Vater gesehen hatte. Dann hörte ich, wie zwei Männer darüber sprachen, wer nach einem Fund die Zugriffsrechte bekommen würde. Nicht wer ihn schützen sollte. Wer ihn besitzen würde.“

Lina verstand nun, warum er sie weggeschickt hatte. „Darum haben Sie die Messpunkte verändert.“

„Nur so weit, dass es wie ein Fehler aussah. Mehr hätte man bemerkt.“

„Und wenn Varn herausfindet, was Sie getan haben?“, fragte Ben.

Herr Weber blickte zur geschlossenen Jalousie. „Dann verliere ich wahrscheinlich meinen Betrieb. Vielleicht noch mehr.“

Ben sagte nichts. Sein Misstrauen war nicht verschwunden, aber es hatte einen Riss bekommen.

„Warum helfen Sie uns?“, fragte er schließlich.

Herr Weber sah ihn direkt an. „Weil ihr Angst habt und trotzdem versucht, das Richtige zu tun. Bei einigen Erwachsenen dort draußen ist es genau umgekehrt.“

Draußen hielt ein dunkler Kombi.

Herr Weber wurde blass. „Durch den Hinterausgang. Sofort.“

Die Kinder verschwanden zwischen den Materialregalen. Sekunden später wurde vorne gegen die Tür geklopft.

„Herr Weber? Dr. Varn möchte mit Ihnen sprechen.“

Ben hielt den Atem an. Durch einen Spalt in den Regalen sah er, wie sich ein Schatten vor der Milchglasscheibe der Eingangstür bewegte. Es waren zwei Personen, vielleicht drei. Mia zog ihn sanft am Ärmel weiter nach hinten, bevor er sich verraten konnte.

Lina steckte den Datenträger ein. Durch einen schmalen Gang gelangten sie in den Hof und von dort über einen Zaun in den Nachbargarten.

Erst zwei Straßen weiter blieben sie stehen.

Ben lehnte sich keuchend gegen eine Hauswand. „Ich glaube, ich habe gerade mehr Angst gehabt als im ganzen Wald zusammen.“

„Wieso?“, fragte Mia.

„Weil im Wald wenigstens niemand wusste, wie wir aussehen.“

„Dr. Varn“, sagte Mia. „Jetzt haben wir einen Namen.“

Ben blickte zurück. „Und vielleicht einen Verbündeten.“

Lina schüttelte den Kopf. „Vielleicht. Aber Thalor hatte recht: Kennen bedeutet nicht vertrauen.“

In der Station las Thalor die Daten aus. Auf der Projektion erschienen Dutzende Messlinien. Sie bildeten einen immer enger werdenden Ring um den Bergrücken.

„Sie haben die Station noch nicht lokalisiert“, sagte er. „Aber sie werden den Suchbereich spätestens morgen auf wenige hundert Meter verkleinern.“

„Können wir die Messwerte verfälschen?“, fragte Mia.

„Nur vorübergehend. Jede aktive Störung würde beweisen, dass hier jemand eingreift.“

Ben deutete auf einen Punkt abseits der Station. „Was ist dort?“

Thalor vergrößerte die Karte. „Ein alter Versorgungsknoten. Seit Jahrhunderten ohne Funktion.“

„Wenn er kurz Energie abgeben würde, hätten sie ein neues Ziel“, sagte Ben.

Thalor sah ihn ernst an. „Dazu müsste jemand den Knoten vor Ort aktivieren.“

Lina kannte diesen Blick. Es war der Blick eines Erwachsenen, der bereits beschlossen hatte, ihnen etwas zu verbieten.

„Dann brauchen wir einen Plan“, sagte sie, bevor er sprechen konnte.

  1. Kapitel 6 – Die falsche Spur

Der Versorgungsknoten lag unterhalb des stillgelegten Steinbruchs. Ein schmaler Wartungstunnel verband ihn mit der Station, doch mehrere Abschnitte waren eingestürzt. Thalor konnte nur ihr Beiboot unbemannt hindurchschicken – ferngesteuert und mit begrenzter Energie.

Auf der Karte sah der Tunnel aus wie eine dünne Ader, die sich zwischen Gestein und Vergessenheit hindurchschlängelte.

„Dann programmieren wir sie so, dass sie den Knoten aktiviert und zurückkehrt“, schlug Mia vor.

Thalor schüttelte den Kopf. „Die Steuerung ist beschädigt. Jemand muss sie aus der Nähe führen.“

Mia biss sich auf die Lippe. „Aus der Nähe heißt: Einer von uns geht durch den Tunnel?“

„Nein“, sagte Thalor bestimmt. „Das Beiboot fliegt allein. Aber jemand muss es von hier aus steuern, Meter für Meter, ohne die Verbindung zu verlieren.“

Ben sah auf das silbrig-blaue Raumschiff im Nebenraum. „Die Wir Drei?“

„Ihr Beiboot“, sagte Thalor. „Die Wir Drei selbst liegt an einem sichereren Ort.“

„Dann fliegen wir also wirklich damit.“

Lina musste trotz der Anspannung lächeln. „Später. Erst müssen wir wissen, ob der Plan funktioniert.“

Sie entschieden sich für eine vorsichtige Variante. Thalor schickte eine kleine Sonde durch den Wartungstunnel. Mia überwachte die Karte, Ben verglich die Messwerte mit den Daten von Herrn Weber, und Lina beobachtete die Außenkameras.

Jeder übernahm eine Aufgabe, so wie sie es in den letzten Tagen gelernt hatten: ruhig, ohne lange zu diskutieren, aber mit einem Blick füreinander, der mehr sagte als Worte.

Kurz nach Einbruch der Dunkelheit erreichte die Sonde den Versorgungsknoten. Auf dem Bildschirm erschien eine Kugel aus mattem Metall, halb von Geröll bedeckt.

Niemand sprach. Mia zählte im Kopf die Sekunden, während Ben die Finger um die Kante des Tisches krallte.

„Energieübertragung beginnt“, sagte Thalor.

Ein schwaches Leuchten zog über die Kugel. Gleichzeitig meldeten die Sensoren des Suchlagers erhöhte Aktivität. Fahrzeuge setzten sich in Bewegung und fuhren Richtung Steinbruch.

Ben hob beide Arme. „Sie schlucken den Köder.“

„Noch“, sagte Mia.

Die Freude hielt genau drei Minuten. Dann brach die Verbindung zur Sonde ab.

Auf einer Außenkamera sahen sie zwei Personen, die vom Hauptlager zurückblieben. Eine davon war der Mann mit der Kamera. Er ging nicht zum Steinbruch, sondern tiefer in den Wald – direkt auf den verborgenen Eingang zu.

„Sie teilen sich“, sagte Lina. „Varn glaubt der neuen Spur nicht vollständig.“

Thalor aktivierte Code Alpha.

„Code Alpha bedeutet ausschließlich Stationsalarm“, erklärte er ruhig. „Alle Verteidigungssysteme wechseln in den Schutzmodus. Die Station versucht, sich selbst zu verbergen. Atlantis wird dadurch noch nicht informiert. Stattdessen erzeugt die Station lediglich ein verschlüsseltes stilles Ortungssignal, das nur den Alarmstatus und die Position übermittelt. Es ist kein Hilferuf und löst keinen Flottenstart aus. Solange wir die Gefahr allein beherrschen können, bleibt der Alarm intern.“ Lichtlinien erloschen, Wärmeabgaben wurden gedrosselt und mehrere Gänge verriegelt. Die Station wurde still wie ein leerer Felsen.

Die Kinder beobachteten, wie der Fotograf wenige Meter vor dem Eingang stehen blieb. Er hielt ein Gerät an den Stein. Ein grüner Balken stieg langsam an.

Lina presste die Hand vor den Mund, als könnte ihr eigener Atem den Sensor verraten. Thalor rührte sich nicht. Auf der Anzeige zuckte der Balken einmal, zweimal, als würde er nach etwas suchen, das nicht ganz da war.

Ben flüsterte: „Kann er uns hören?“

„Nicht unsere Stimmen“, antwortete Thalor. „Aber möglicherweise den Energiefluss.“

Mia zeigte auf die Anzeige. „Dann schalten wir alles ab, was nicht nötig ist.“

Thalor zögerte. „Auch die Lebenserhaltung würde reduziert.“

„Für ein paar Minuten schaffen wir das“, sagte Lina.

Die Beleuchtung erlosch fast vollständig. Die Luft wurde spürbar kühler. Auf der Kamera sank der grüne Balken. Der Mann runzelte die Stirn, klopfte gegen den Felsen und sprach in sein Funkgerät.

„Messung nicht reproduzierbar. Vermutlich Reflexion aus dem Steinbruch.“

Er ging.

Erst als er außer Sicht war, fuhr Thalor die Systeme wieder hoch.

Ben atmete tief ein. „Ich wusste gar nicht, wie gut normale Luft sein kann.“

Mia sah auf die Karte. „Die Ablenkung hat uns Zeit verschafft, aber nicht viel. Sobald sie den Versorgungsknoten untersuchen, merken sie, dass dort keine große Anlage liegt.“

„Dann müssen wir wissen, was sie als Nächstes tun“, sagte Lina.

Auf dem Datenträger befand sich ein verschlüsselter Einsatzplan. Thalor konnte nur Teile öffnen. Eine Zeile war jedoch klar lesbar: TIEFENSONDIERUNG – CODE ALPHA – 06:00 UHR.

Ben starrte auf die Worte. „Die haben auch einen Code Alpha?“

„Bezeichnungen wiederholen sich“, sagte Mia. „Entscheidend ist, was dahintersteckt.“

Thalor rief eine technische Darstellung auf. „Tiefensondierung bedeutet, dass sie starke Schallimpulse in den Berg schicken. Damit können sie größere Hohlräume erkennen.“

Lina blickte zur Decke. „Also auch diese Halle.“

„Ja.“

„Bis morgen früh?“

„Wenn der Plan stimmt.“

Eine neue Nachricht erschien auf dem Datenträger. Nur zwei Wörter waren unverschlüsselt: VARN BESTÄTIGT.

Im Suchlager stand Varn über einer Karte, während eine Frau mit kurz geschnittenem Haar auf ihn einredete. Thalor fing nur Teile des Gesprächs auf.

„Der Zeitplan kommt nicht von mir“, sagte die Frau. „Die Auftraggeber erwarten bis morgen einen gesicherten Zugang.“

„Wir haben nicht einmal geklärt, womit wir es zu tun haben“, erwiderte Varn.

„Wir wissen, dass es nicht menschlich ist. Das genügt.“

Varn schob die Karte von sich. „Nein. Genau das genügt nicht.“

„Sie sind hier, um Ergebnisse zu liefern, Dr. Varn.“

„Ich bin hier, um einen Fund wissenschaftlich zu untersuchen. Nicht, um einen Berg aufzubrechen, in dem möglicherweise ein aktives System liegt.“

Die Frau trat näher. „Wenn Sie zögern, übernimmt jemand anderes.“

Varn schwieg einen Moment zu lang. „Und wenn ich recht behalte? Wenn dort unten etwas liegt, das wir nicht kontrollieren können?“

Die Frau lächelte schmal. „Dann ist es gut, dass Kontrolle nicht Ihre Aufgabe ist, Doktor. Nur die Untersuchung.“

Das Bild wurde unscharf, als der Sensor im Wind schwankte. Doch die Kinder hatten genug gehört.

„Er ist nicht allein verantwortlich“, sagte Lina.

Mia blieb skeptisch. „Aber er gibt die Befehle weiter.“

„Noch“, sagte Ben. „Vielleicht entscheidet er sich irgendwann, wem er wirklich gehorcht.“

Lina schwieg. Insgeheim hoffte sie, dass Ben recht hatte. Aber Hoffnung, das hatte Thalor ihnen oft genug gesagt, war kein Plan.

Thalor schaltete die Aufnahme ab. „Verlasst euch nicht darauf. Ein Zweifel macht einen Menschen noch nicht zu einem Verbündeten.“

Lina nickte. Trotzdem dachte sie an Varns Gesicht. Nicht alles in diesem Lager war so eindeutig, wie es zunächst ausgesehen hatte.

Thalor sah die Kinder an. „Der Leiter hat den Einsatz freigegeben.“

Draußen überquerte ein Lastwagen die Forststraße. Auf seiner Ladefläche lag eine lange metallene Sonde.

Die falsche Spur hatte funktioniert.

Aber sie hatte den Gegner nur für wenige Stunden aufgehalten.

Im Kontrollraum sank die Anspannung der letzten Stunden nur für einen Wimpernschlag. Dann begann irgendwo tief im Fels ein neues Summen – leise, aber stetig, als hätte der Berg selbst zu atmen begonnen.

Tausende Kilometer entfernt, in einer überfluteten Küstenstadt, saß ein Nachrichtenteam vor Trümmern und berichtete live. Freiwillige trugen Wasserkanister durch matschige Straßen, Kinder saßen mit fremden Decken auf provisorischen Feldbetten, und ein Sprecher zählte die Zahl der Vermissten, die sich seit Tagen kaum noch veränderte.

Niemand dort wusste, dass tief unter einem deutschen Mittelgebirge in diesem Moment über die Zukunft entschieden wurde. Für sie war der Komet nur eine Katastrophe. Für die Welt war er der Anfang von etwas, das noch niemand vollständig verstand.

  1. Kapitel 7 – Im Licht der Suchscheinwerfer

Noch vor Mitternacht kehrten mehrere Fahrzeuge vom Steinbruch zurück. Dr. Elias Varn stieg als Erster aus. Er wirkte nicht wütend, sondern konzentriert. Auf einem Monitor ließ er die Messwerte beider Orte übereinanderlegen.

„Der Ausschlag am Steinbruch war künstlich“, sagte eine Technikerin.

„Oder absichtlich erzeugt“, erwiderte Varn. „Ab jetzt behandeln wir den gesamten Bergrücken als aktives Zielgebiet.“

In der Station wechselten die drei einen Blick. Der ganze Bergrücken. Das war nicht mehr nur die Umgebung der Station – das war ihr gesamtes Zuhause.

In der Station hörten die Kinder jedes Wort über einen Sensor, den Thalor nahe dem Lager aktiviert hatte.

„Er weiß, dass jemand ihn täuscht“, sagte Mia.

„Dann sollten wir den Sensor abschalten“, meinte Ben.

Zu spät. Auf dem Bildschirm drehte sich Varn plötzlich zur Kamera, obwohl sie hinter Rinde verborgen war. Er trat näher, griff zielgenau in eine Spalte und zog den winzigen Sensor heraus.

„Interessant“, sagte er.

Das Bild brach ab.

Für einen Herzschlag rührte sich niemand in der Station. Mia starrte auf den schwarzen Bildschirm, als könnte sie ihn allein durch ihren Blick wieder zum Leben erwecken.

„Hat er uns gesehen?“, fragte Ben leise.

„Er hat den Sensor gesehen“, sagte Thalor. „Das reicht ihm vorerst.“

Thalors Gesicht wurde hart. „Er lernt schnell.“

Am frühen Morgen begann die Tiefensondierung. Der erste Impuls traf den Berg wie ein ferner Donnerschlag. Staub rieselte aus den Fugen. Ein zweiter Stoß folgte, stärker als der erste.

Auf der Anzeige erschien eine rote Linie: TARNFELD – STABILITÄT 91 PROZENT.

„Wie viele Impulse hält es aus?“, fragte Lina.

„Das hängt von ihrer Stärke ab.“

Ben deutete auf die Karte. „Können wir die Wellen umlenken?“

Mia verstand seinen Gedanken. „Nicht vollständig. Aber vielleicht können wir ihnen mehrere kleine Hohlräume vorspiegeln, statt einer großen Halle.“

Thalor öffnete das Resonanzsystem der Station. Gemeinsam berechneten sie eine Folge schwacher Gegenschwingungen. Mia fand den richtigen Abstand, Lina achtete auf die Stabilität des Tarnfeldes, und Ben erkannte, dass die Impulse nicht gleichmäßig kamen.

„Varn ändert den Rhythmus“, sagte er. „Er prüft, ob die Antworten natürlich sind.“

„Dann dürfen wir nicht perfekt reagieren“, sagte Lina.

Sie bauten kleine Abweichungen ein. Auf den Anzeigen des Lagers zerfiel der große Hohlraum in mehrere unklare Schatten.

Einmal driftete die Berechnung zu weit ab, und für zwei entsetzliche Sekunden zeigte die Anzeige des Lagers wieder die klare Kontur der Halle. Mia korrigierte fieberhaft, Lina hielt das Tarnfeld mit letzter Kraft stabil, und Ben zählte die Impulse laut mit, damit niemand den Rhythmus verlor.

Eine Weile schien es zu funktionieren.

Dann meldete eine Technikerin: „Drei Wärmespuren am Nordhang.“

Varn ließ das Bild vergrößern. Es zeigte die Spuren, die Lina, Ben und Mia am Vortag hinterlassen hatten.

„Kinder“, sagte er leise. „Oder sehr kleine Erwachsene.“

Ben verzog das Gesicht. „Sehr witzig.“

Varn gab den Befehl, Suchscheinwerfer und Drohnen einzusetzen. Innerhalb weniger Minuten glitten helle Kegel durch den Wald. Die Kinder saßen zwar sicher unter der Erde, doch ihre Familien wussten nichts von der Gefahr.

Lina wurde blass. „Wenn sie unsere Wege zurückverfolgen, kommen sie zu unseren Häusern.“

Sie dachte an ihr Zimmer, an ihre Mutter, die um diese Zeit vermutlich längst schlief, ohne zu ahnen, wie nah die Gefahr bereits gekommen war.

Thalor nickte. „Ihr müsst nach Hause, bevor sie den Ort absperren.“

„Und du?“

„Ich halte die Tarnung aufrecht.“

Sie verließen die Station durch den oberen Notausgang. Draußen hing Nebel zwischen den Bäumen. Suchscheinwerfer strichen über den Hang, und das Summen einer Drohne kam näher.

Der Nebel schluckte jedes Geräusch, bis auf ihre eigenen, viel zu lauten Schritte. Lina zählte im Stillen, wie oft ihr Herz schlug, um sich nicht von der Angst überwältigen zu lassen.

Die drei bewegten sich langsam, nutzten Senken und dichte Fichten. Als ein Lichtkegel nur wenige Meter vor ihnen stehen blieb, pressten sie sich auf den Boden. Ein Fuchs sprang aus dem Gebüsch und zog die Drohne fort.

Ben presste die Faust auf den Boden, um nicht laut aufzulachen vor Erleichterung.

„Unser zweites gerettetes Leben durch ein Tier“, flüsterte Ben.

„Nicht zählen“, sagte Mia.

Am Waldrand entdeckten sie schwere Schuhabdrücke. Sie führten nicht zum Lager, sondern in Richtung Dorf.

Lina folgte ihnen bis zu einer Anhöhe. Unten stand der dunkle Kombi nahe Bens Straße.

„Sie suchen uns“, sagte Ben.

Mia fotografierte den Wagen. In diesem Moment öffnete sich die Fahrertür. Herr Weber stieg aus.

Ben wollte losstürmen, doch Mia hielt ihn mit einem festen Griff am Arm zurück.

Ben wich zurück. „Also doch.“

Doch Herr Weber sah sich hastig um, legte einen Umschlag unter einen Wegweiser und fuhr weiter. Im Umschlag lag eine Karte mit einer rot markierten Linie sowie ein kurzer Satz: VARN KENNT DEN EINGANG NOCH NICHT. ABER ER HAT EINEN ALTEN ORTUNGSPUNKT GEFUNDEN.

Ben las den Satz zweimal. „Ortungspunkt. Was ist das?“

„Nichts Gutes, wenn Herr Weber sich deswegen solche Mühe gibt“, sagte Mia.

Lina hob den Blick zum Berg.

Wenn der Ortungspunkt sich aktivierte, würde keine Tarnung mehr helfen.

  1. Kapitel 8 – Der alte Ortungspunkt

Der Ortungspunkt lag laut Herr Webers Karte knapp zweihundert Meter oberhalb der Station. Thalor kannte ihn. Vor langer Zeit hatte er als Wegmarke für atlantische Gleiter gedient.

„Er müsste seit Jahrtausenden ohne Energie sein“, sagte er.

„Dann finden sie nur ein Stück Metall“, meinte Ben.

„Nicht, wenn es auf unsere Zeichen reagiert.“

Die drei sahen gleichzeitig auf ihre Anhänger.

Lina erinnerte sich an das warme Pulsieren am ersten Tag. „Vielleicht hat der Komet nicht nur die Menschen auf uns aufmerksam gemacht. Vielleicht hat er auch alte Systeme geweckt.“

Thalor sah sie nachdenklich an. Genau davor hatte er sie gewarnt, seit sie die Anhänger zum ersten Mal trugen: Nichts an dieser Technologie war nur Erinnerung. Alles konnte jederzeit wieder erwachen.

Sie wollten den Ortungspunkt bergen, bevor Varns Team ihn erreichte. Thalor war dagegen, doch die Karte zeigte, dass das Gelände bereits am Morgen abgesucht werden sollte.

Kurz vor Sonnenaufgang schlichen die Kinder über einen kaum sichtbaren Wildpfad. Der Ortungspunkt ragte zwischen Wurzeln aus dem Boden, kaum größer als eine Münze. Seine Oberfläche war silbern und vollkommen glatt.

Mia kniete sich hin. „Nicht berühren.“

Ben deutete auf Linas Anhänger. „Zu spät.“

Alle drei Zeichen leuchteten schwach. Der Ortungspunkt antwortete mit einem blauen Puls.

Ein Frösteln lief Lina über den Rücken, das nichts mit der kalten Morgenluft zu tun hatte. Zum ersten Mal spürte sie wirklich, dass die Anhänger nicht nur Schmuckstücke waren, sondern Teil von etwas, das viel älter war als sie selbst.

Gleichzeitig begannen die Metallösen an Mias Rucksack zu zittern. Kleine Steinchen rollten bergauf, als würden sie von dem silbernen Punkt angezogen.

„Magnetfeld“, flüsterte Mia. „Und es wird stärker.“

Ben zog einen alten Holzkeil aus dem Boden, der vermutlich einmal zu einer Wegmarkierung gehört hatte. „Dann nehmen wir nichts aus Metall.“

Er schob den Keil vorsichtig unter den Ortungspunkt. Das blaue Licht wanderte über das Holz, ohne es zu beschädigen.

„Du willst ihn heraushebeln?“, fragte Lina.

„Nicht heraushebeln. Nur anheben, damit du die Folie darunter bekommst.“

Mia nickte anerkennend. Manchmal, dachte sie, war Bens Vorliebe für einfache Lösungen genau das, was ihre hochentwickelte Technik nicht ersetzen konnte.

Mia prüfte die Anzeige ihres Handys, doch der Bildschirm zeigte nur noch wirre Linien. „Unsere Geräte fallen aus.“

„Dann hören wir auf den Wald“, sagte Ben.

Er legte den Kopf schräg. Von links kam das regelmäßige Knirschen schwerer Schritte. Rechts rauschte Wasser in einem Graben. Vor ihnen knackte in kurzen Abständen ein Funkgerät.

„Der rechte Suchtrupp ist weiter weg“, sagte er. „Der Wind trägt ihre Stimmen. Wir haben vielleicht eine Minute.“

Lina schob die Folie unter das Fundstück, während Ben den Holzkeil ruhig hielt. Mia wickelte die Ränder übereinander. Erst als der letzte Spalt geschlossen war, verstummte das Zittern der Metallteile.

„Das war knapp“, flüsterte Lina.

Ben steckte den Holzkeil ein. „Praktische Lösungen. Mein Spezialgebiet.“

Diesmal widersprach niemand.

Lina wickelte ihn in eine isolierende Folie, die Thalor ihnen gegeben hatte. Das Licht erlosch.

Dann knackte hinter ihnen ein Funkgerät.

„Sektor sechs, Bewegung am Zielpunkt.“

Die Kinder liefen. Zwei Suchtrupps kamen von entgegengesetzten Seiten. Mia führte sie in ein trockenes Bachbett, doch dort wartete bereits der Mann mit der Kamera.

„Stehen bleiben“, sagte er. „Ich will euch nichts tun.“

Ben hob die Hände. „Das sagen Leute erstaunlich oft, wenn sie andere einkreisen.“

Der Mann sah auf den Beutel in Linas Hand. „Gebt mir den Gegenstand.“

„Warum?“

„Weil ihr nicht wisst, womit ihr es zu tun habt.“

„Sie aber auch nicht“, sagte Mia.

Für einen Wimpernschlag sah der Mann fast unsicher aus, als würde auch er lieber woanders sein als in diesem nassen Bachbett zwischen drei Kindern und seinem eigenen Auftrag.

Für einen Moment zögerte er. Dieses Zögern reichte. Hinter den Bäumen ertönte ein lauter Knall. Herr Weber hatte mit seinem Geländewagen eine Absperrbake umgestoßen. Mehrere Sucher drehten sich um.

„Jetzt!“, rief Lina.

Die Kinder rutschten den Hang hinunter. Der Fotograf folgte, verlor aber auf dem nassen Boden den Halt. Ben blieb kurz stehen, streckte ihm instinktiv die Hand hin und zog ihn von einer steilen Kante weg.

Der Mann starrte ihn überrascht an.

Es war nur ein Sekundenbruchteil, aber Ben würde sich später fragen, warum er überhaupt gezögert hatte, einem Gegner zu helfen.

„Das war keine Einladung, weiter hinter uns herzulaufen“, sagte Ben und rannte weiter.

Am Notausgang wartete Thalor. Kaum waren sie in der Station, untersuchte er den Ortungspunkt.

„Er ist bereits aktiv“, sagte er. „Die Folie dämpft nur das Signal.“

„Können wir ihn zerstören?“, fragte Lina.

„Vielleicht. Aber dabei könnte er einen letzten, sehr starken Impuls senden.“

Ben sank auf einen der Sitze. „Wir haben also gerade eine Bombe gerettet, die wir nicht anfassen dürfen.“

„So ungefähr“, sagte Thalor.

Mia betrachtete die Projektion. „Und wenn wir ihn in einen abgeschirmten Raum bringen?“

„Dort würde er weiter nach einem Netz suchen. Irgendwann findet er eine Verbindung.“

Ben lehnte sich über die Karte. „Dann geben wir ihm eine Verbindung, die woanders endet.“

Sie koppelten den Ortungspunkt an den alten Versorgungsknoten. Für einige Minuten sah es so aus, als hätte der Plan funktioniert. Das Signal sprang zum Steinbruch.

Im Suchlager jubelte eine Technikerin. Varn jedoch blieb still.

„Zu sauber“, sagte er. „Jemand führt uns.“

Er ließ beide Orte gleichzeitig scannen. Der erste Schallimpuls traf den Versorgungsknoten, der zweite die Station. Der Ortungspunkt reagierte auf beide und sendete plötzlich selbst.

Blaues Licht flutete den Kontrollraum.

Auf sämtlichen Bildschirmen erschien das Zeichen der drei verschlungenen Linien.

Dann brach die Kopplung zusammen.

Oben im Wald begann ein Suchgerät zu piepen. Eine Mitarbeiterin schob Erde beiseite und fand einen zweiten, kleineren Ortungspunkt, den niemand bemerkt hatte.

Sie hob ihn vorsichtig auf.

Das Metall leuchtete blau.

Varn trat hinzu. In seinem Gesicht lag zum ersten Mal offene Begeisterung.

Für ihn war es ein Triumph. Für die drei Kinder, die alles miterlebt hatten, fühlte es sich an wie eine Niederlage mit halbem Erfolg.

„Jetzt haben wir den Beweis“, sagte er.

In der Station schloss Thalor die Augen.

Die Kinder hatten einen Ortungspunkt gerettet.

Doch ein anderer war in die Hände der Suchmannschaft gefallen.

  1. Kapitel 9 – Der erste Fehler

Das Fundstück wurde in einem abgeschirmten Behälter ins Hauptlager gebracht. Varns Team richtete Laser, Spektrometer und Magnetsonden darauf. Jede Messung lieferte andere Ergebnisse.

„Es verändert seine Oberfläche“, sagte eine Technikerin.

„Nein“, erwiderte Varn. „Es verändert, was unsere Geräte wahrnehmen.“

In der Station runzelte Mia die Stirn. „Das klingt fast so, als würde es sich wehren.“

„Vielleicht tut es das“, sagte Thalor leise.

In der Station konnten Thalor und die Kinder den Ortungspunkt weiterhin schwach erfassen. Jeder Versuch des Lagers, ihn zu untersuchen, löste eine Reaktion aus.

Ben beobachtete die Kurven. „Sie reizen ihn immer weiter.“

„Sie wissen nicht, dass er Teil eines Kommunikationsnetzes ist“, sagte Thalor.

„Dann müssen wir sie warnen“, meinte Lina.

Mia sah sie erstaunt an. „Wie? Wir können dort schlecht anrufen und sagen, sie sollen das außerirdische Gerät in Ruhe lassen.“

„Herr Weber.“

Sie schickten ihm eine verschlüsselte Nachricht mit nur einem Satz: ANALYSE STOPPEN – GEFAHR EINES SIGNALS. Herr Weber bestätigte den Empfang, doch kurz darauf meldete er, dass Varn ihm den Zugang zum Lager entzogen hatte.

Was genau geschehen war, erfuhren sie erst Stunden später aus Thalors Abhörsensor: Varn hatte Herrn Weber vor der gesamten Suchmannschaft zur Rede gestellt. „Ihre Messfehler häufen sich, Herr Weber“, hatte er gesagt, „und jetzt auch noch ein abgeschalteter Zugang, genau bevor wir den zweiten Fund gemacht haben. Erklären Sie mir, warum ich Ihnen noch vertrauen sollte.“ Herr Weber hatte geschwiegen, seinen Ausweis abgeben müssen und war unter den Blicken der anderen zu seinem Wagen zurückgegangen, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Für die Kinder war das mehr als der Verlust eines nützlichen Kontakts. Es war die erste Person, die sich für sie in Gefahr gebracht hatte – und die diese Gefahr jetzt allein trug.

Lina las die Nachricht dreimal. „Das heißt, wir haben unseren einzigen Draht nach draußen verloren.“

„Nicht ganz“, sagte Ben. „Wir haben nur den bequemsten verloren.“

Der erste Fehler geschah auf beiden Seiten.

Varns Techniker erhöhten die Energie des Lasers. Gleichzeitig versuchte Thalor, den Ortungspunkt aus der Ferne in einen Ruhezustand zu versetzen. Beide Impulse trafen sich.

Das Fundstück leuchtete grell auf.

Ein blauer Ring breitete sich durch das Lager aus. Bildschirme wurden schwarz, Drohnen stürzten aus geringer Höhe ab, und sämtliche Funkgeräte sendeten denselben tiefen Ton.

Der Ton drang selbst durch die dicken Wände der Station, ein tiefes, fast schmerzhaftes Summen, das Lina in den Zähnen spürte, bevor sie überhaupt begriff, was es bedeutete.

In der Station sprang die Sternenkarte an.

Nicht nur ein Punkt blinkte.

Auf der Karte der Erde leuchteten plötzlich drei weitere Punkte auf – weit entfernt vom Siegerland, doch unverkennbar aus demselben Netz.

Mia starrte auf die Anzeige. „Was ist das?“

„Andere Stationen“, sagte Thalor. „Der Energiestoß hat sie geweckt.“

„Sind sie jetzt auch in Gefahr?“

„Das weiß ich nicht. Aber jetzt wissen sie, dass hier etwas geschehen ist.“

Der Satz blieb im Raum hängen.

Lina sah auf das flackernde Zeichen. „Wir haben den Ortungspunkt an den Versorgungsknoten gekoppelt. Ohne unseren Versuch wäre das Signal vielleicht nicht entstanden.“

„Varns Leute haben gleichzeitig den Laser verstärkt“, sagte Mia. „Der Fehler lag auf beiden Seiten.“

„Das macht unseren Anteil nicht kleiner“, erwiderte Lina.

Ben setzte sich auf die Kante der Plattform. Zum ersten Mal seit Beginn der Suche wirkte er nicht nur erschöpft, sondern beschämt. „Wir wollten schlauer sein als sie. Dabei haben wir genau das Gerät geweckt, vor dem wir alle Angst hatten.“

Niemand widersprach ihm. Für einen Moment war das Schweigen lauter als jedes der Warnsignale auf den Anzeigen.

Thalor trat zu ihnen. „Ein Wächter ist nicht jemand, der niemals irrt.“

„Sondern?“, fragte Mia.

„Jemand, der einen Fehler erkennt, bevor er ihn wiederholt.“

Die Worte blieben im Raum hängen, einfacher gesagt als gelebt. Trotzdem spürte Lina, wie sich etwas in ihr beruhigte – nicht die Angst, aber die Panik, die sich sonst daran geklammert hätte.

Lina hob den Blick. „Dann dürfen wir jetzt nicht einfach versuchen, das Signal mit noch mehr Energie zu unterdrücken.“

„Richtig“, sagte Thalor. „Wir müssen verstehen, was gerufen wurde.“

Ben stand wieder auf. „Und wir müssen den Ortungspunkt aus dem Lager holen, bevor sie noch einmal darauf schießen.“

Mia sah zur Sternenkarte. „Diesmal ohne zu glauben, dass alles exakt nach Plan laufen wird.“

„Das wäre immerhin ein Fortschritt“, sagte Ben leise.

In diesem Moment vibrierte Linas Handy in ihrer Tasche. Drei entgangene Anrufe von ihrer Mutter. Darunter eine Nachricht: WO BIST DU? MELDE DICH BITTE SOFORT.

Auch Mia und Ben sahen auf ihre Telefone. Bei allen standen neue Nachrichten.

Die Gefahr unter dem Berg war nicht länger von ihrem normalen Leben getrennt.

Lina starrte auf den Bildschirm, auf dem das Wort MUTTER so gewöhnlich aussah, während um sie herum eine außerirdische Sternenkarte drei sich nähernde Signale zeigte. Zwei Welten, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben sollten, waren plötzlich dieselbe.

Lina schrieb: WIR SIND BEI MIA UND ARBEITEN AM SCHULPROJEKT. ES IST SPÄTER GEWORDEN. TUT MIR LEID. ICH MELDE MICH IN EINER STUNDE.

Sie zeigte den anderen den Text. „Eine Stunde. Bis dahin brauchen wir eine Lösung oder einen sicheren Weg nach Hause.“

Thalor nickte ernst. „Das ist keine Nebensache. Wer Verantwortung für eine Welt übernimmt, darf die Menschen nicht vergessen, die auf ihn warten.“

Im Lager erholten sich die Systeme. Auf dem Hauptmonitor war für einen Sekundenbruchteil eine Karte zu sehen gewesen. Varn ließ jedes Bild rekonstruieren. Die Techniker fanden eine Linie, die vom Siegerland in den oberen Luftraum führte.

„Das ist kein geologisches Objekt“, sagte Varn.

Er ordnete an, die Tiefensondierung sofort fortzusetzen. Eine große Sonde wurde vom Lastwagen geladen. Ihr erster Impuls traf die Station so hart, dass mehrere Lichtfelder ausfielen.

TARNFELD – STABILITÄT 82 PROZENT.

„Wir können nicht hierbleiben“, sagte Mia.

Thalor öffnete den bisher verschlossenen Hangar. Darin stand ihr Beiboot – schlank, silbrig-blau, mit glatt geschwungenem Rumpf, bereit zum Start.

„Dann bleibt nur der Tunnel“, sagte er.

Ein weiterer Schlag erschütterte die Halle.

Der Berg bebte erneut, stärker als zuvor.

In einem Konferenzraum am anderen Ende der Welt saßen Vertreter dreier Regierungen um einen ovalen Tisch. Auf den Bildschirmen liefen dieselben Satellitenbilder, die auch Varns Team auswertete.

„Wenn das Siegerland-Team keine Ergebnisse liefert, übernehmen wir mit eigenen Mitteln“, sagte eine der Stimmen. Niemand widersprach. Die Geduld, die nach dem Kometeneinschlag noch für Zusammenarbeit gereicht hatte, wurde von Tag zu Tag knapper.

Kapitel 10 – Das Beiboot fliegt

Der nächste Schallimpuls traf die Station härter als alle zuvor. Rote Lichtlinien zuckten über die Wände, und irgendwo im hinteren Bereich fiel mit einem metallischen Krachen eine Verkleidung zu Boden.

Auf der Sternenkarte blieben die drei fremden Stationen unverändert aktiv – ein Echo, das sich nicht mehr zurücknehmen ließ. Gleichzeitig zeigte die Geländekarte über der Station immer mehr rote Punkte. Varns Mannschaft hatte den Bergrücken nahezu vollständig umstellt.

„Wir haben zwei Gefahren“, sagte Mia. „Eine über uns und eine dort draußen.“

„Und beide wissen inzwischen, wo sie suchen müssen“, ergänzte Lina.

Niemand sagte, wie viel Zeit ihnen blieb.

Das musste auch niemand.

Thalor berührte die Steuerkonsole. Lautlos erschien die Projektion des Hangars über der Plattform. Ihr Beiboot leuchtete darin wie ein schlafendes Wesen.

Ben blickte zur roten Stabilitätsanzeige. „Das klingt fast wie ein Plan.“

„Es ist ein Plan“, sagte Lina. „Nur kein bequemer.“

Das silbrig-blaue Raumschiff stand noch immer regungslos auf der Plattform.

Seine Oberfläche spiegelte das blaue Licht der Station. Als Thalor sich näherte, öffnete sich lautlos eine schmale Tür.

Im Inneren befanden sich vier Sitze.

Keine Hebel.

Kein Lenkrad.

Nur eine gebogene Fläche aus dunklem Material.

„Wie steuert man das Ding?“, fragte Ben.

„Mit Berührung, Sprache und Gedankenimpulsen.“

Ben blieb stehen.

„Gedankenimpulse?“

„Nur einfache Befehle.“

„Gut. Meine komplizierten Gedanken versteht meistens sowieso niemand.“

Mia musste trotz der Anspannung lachen.

Thalor zeigte auf die vorderen Sitze.

„Zwei Personen müssen das Beiboot gemeinsam steuern.“

„Warum zwei?“, fragte Lina.

„Weil ein einzelner Pilot in einer Gefahrensituation zu leicht die Kontrolle verlieren könnte. Das System vergleicht beide Entscheidungen.“

Lina sah zu Mia und Ben.

„Dann fliegen wir gemeinsam.“

„Drei Personen können nicht auf zwei Sitzen sitzen“, stellte Ben fest.

„Aber einer kann Navigation und Systeme übernehmen.“

Ben lächelte.

„Das klingt nach mir.“

Thalor schüttelte den Kopf.

„Ihr seid noch nie mit diesem Beiboot geflogen.“

„Wir sind auch noch nie von einer internationalen Suchmannschaft verfolgt worden“, entgegnete Lina.

„Trotzdem klappt es bisher ganz ordentlich“, ergänzte Mia.

Thalor musterte die drei lange.

Dann trat er zur Seite.

„Also gut.“

Die nächsten Minuten wurden zu einer hastigen Einführung.

Lina und Mia nahmen vorne Platz. Ben setzte sich hinter sie und legte beide Hände auf ein schmales Bedienfeld.

Sofort erschienen leuchtende Zeichen.

„Das kann ich nicht lesen“, sagte er.

„Du musst es nicht lesen“, erklärte Thalor. „Berühre das Symbol, das dir richtig erscheint.“

Ben verzog das Gesicht.

„Das ist deine technische Einweisung?“

„Vertraue deiner Wahrnehmung.“

Ben betrachtete die Zeichen.

Eines pulsierte langsamer als die anderen. Er legte einen Finger darauf.

Die Anzeigen wechselten augenblicklich in verständliche Bilder: Höhe, Geschwindigkeit, Umgebung, Energie.

Ben riss die Augen auf.

„Das System hat sich angepasst.“

Thalor nickte.

„Es erkennt deine Denkweise.“

„Das arme System.“

Mia grinste trotz der Anspannung.

Manchmal, dachte sie, war Ben genau das, was diese Momente brauchten.

Lina drehte sich halb zu ihm um.

„Konzentrier dich.“

„Ich bin vollkommen konzentriert. Ich rede nur dabei.“

Mia legte beide Hände auf die dunkle Steuerfläche.

Ein sanftes Kribbeln lief durch ihre Finger.

Vor ihr erschien ein Bild des unterirdischen Tunnels, der aus der Station hinausführte.

„Ich sehe den Weg.“

„Ich auch“, sagte Lina.

„Ihr müsst dieselbe Richtung wählen“, erklärte Thalor. „Wenn ihr euch widersprecht, stoppt das Schiff.“

„Und wenn wir gegen einen Berg fliegen?“, fragte Mia.

„Dann habt ihr euch beide gleichzeitig geirrt.“

Ben beugte sich vor.

„Sehr beruhigend.“

Ein Alarm unterbrach die Einweisung.

Auf dem Hauptschirm erschien ein neues Bild.

Oberhalb der Station wurde ein großes Gerät von einem Lastwagen geladen. Es bestand aus einem metallenen Rahmen und einer langen Sonde.

Thalors Gesicht wurde ernst.

„Sie beginnen.“

„Was ist das?“, fragte Lina.

„Ein Tiefenscanner. Er sendet Schwingungen durch das Gestein.“

„Kann er den Eingang finden?“

„Nicht direkt. Aber er kann Hohlräume erkennen.“

Ben blickte zur Anzeige.

„Und wir sitzen in einem ziemlich großen Hohlraum.“

Ein dumpfer Schlag hallte durch die Station.

Staub rieselte von einer Wand.

Lina spürte die Erschütterung bis in die Zähne.

Zum ersten Mal wirkte die Station nicht mehr wie ein sicherer Ort.

Dann folgte ein zweiter.

Auf einem Monitor erschien eine sich ausbreitende Welle. Sie lief durch das Gestein und traf die äußere Hülle der Station.

Das Licht flackerte.

„Sie haben uns“, sagte Mia.

„Noch nicht“, widersprach Lina. „Sie haben nur etwas gefunden.“

Sie wandte sich Thalor zu.

„Wo führt der Tunnel hin?“

„Zu einem Ausgang mehrere Kilometer entfernt. Er endet in einem alten Stollen.“

„Dann bringen wir das Beiboot hinaus.“

Thalor schüttelte den Kopf.

„Wenn ihr startet, werden ihre Geräte die Energie messen.“

Ben betrachtete die Karte.

„Dann brauchen wir eine zweite Energiequelle.“

„Eine Ablenkung“, sagte Mia.

Lina nickte.

„Wir schicken ihnen ein falsches Signal.“

Thalor öffnete eine weitere Ansicht der Umgebung.

„Die Station besitzt drei alte Versorgungsknoten. Zwei davon funktionieren nicht mehr. Der dritte liegt unterhalb eines stillgelegten Steinbruchs.“

„Kann man ihn aktivieren?“, fragte Ben.

„Von hier aus nicht.“

„Aber vom Schiff?“

Thalor sah ihn an.

„Möglicherweise.“

Ben tippte auf die Karte.

„Dann fliegen wir zuerst zum Versorgungsknoten. Wir aktivieren ihn kurz. Ihre Messgeräte zeigen eine neue Energiequelle an und sie verlegen ihre Suche.“

Mia ergänzte: „Während sie dort suchen, verlassen wir den Tunnel in die andere Richtung.“

Lina schüttelte langsam den Kopf.

„Nur wegfliegen reicht nicht.“

„Was meinst du?“

„Solange sie das Fundstück haben, werden sie nicht aufgeben. Sie wissen, dass hier etwas ist.“

Ben lehnte sich zurück.

„Dann müssen wir das Fundstück zurückholen.“

Für einige Sekunden herrschte Schweigen.

Thalor trat näher.

„Das Suchlager ist bewacht.“

„Aber alle Messgeräte sind miteinander verbunden“, sagte Ben. „Wenn wir den Versorgungsknoten aktivieren, reagieren sie bestimmt wieder auf den Impuls. Vielleicht fallen ihre Systeme erneut aus.“

„Und in diesem Moment gehen wir hinein“, sagte Mia.

„Wir?“, fragte Thalor.

Lina sah ihn fest an.

„Wir drei.“

Der dritte Schlag war stärker als die vorherigen.

Eine rote Linie erschien auf der Anzeige.

TARNFELD – STABILITÄT 68 PROZENT

Thalor legte die Hand auf ein schmales, bislang dunkles Feld der Konsole. Darunter leuchtete ein feines, dunkelrotes Symbol auf, das die Kinder noch nie gesehen hatten.

„Was ist das?“, fragte Lina.

„Ein stilles Ortungssignal“, sagte Thalor knapp. „Der erste, den ich seit über zweihundert Jahren senden muss.“

Er drückte die Handfläche fest auf das Symbol. Für einen Wimpernschlag durchlief ein feines Zittern die gesamte Station, als hätte sie tief Luft geholt und sie wieder losgelassen.

„Wird das jemand hören?“, fragte Ben.

„Ich weiß es nicht“, sagte Thalor. „Aber wenn doch, dann kommt Hilfe aus den Tiefen des Alls – weiter entfernt als jeder Stern, den ihr am Himmel erkennen könnt.“

„Wir müssen los“, sagte Thalor.

Die Kinder befestigten ihre Gurte.

Thalor nahm auf dem vierten Sitz Platz.

„Gut festhalten“, sagte Ben und legte kurz die Hand auf die Steuerfläche.

Lina drehte sich zu ihm um.

„Was machst du?“

„Man startet nicht einfach mit einem Atlantis-Beiboot, ohne hallo zu sagen.“

„Das ist ein Beiboot, kein Publikum“, sagte Mia.

„Genau deshalb.“

Unter seiner Hand leuchteten die drei ineinander verschlungenen Linien auf der Steuerfläche auf – dasselbe Zeichen, das die Kinder schon aus der alten Station am Hohenseelbachskopf kannten.

Lina lächelte trotz der Anspannung.

„Unser Wächterzeichen.“

„Als hätte es nur auf uns gewartet“, sagte Mia.

Thalor sah auf das leuchtende Symbol.

„Es hat lange genug gewartet.“

Vor dem Beiboot öffnete sich ein rundes Tor.

Dahinter lag ein dunkler Tunnel.

Lina und Mia konzentrierten sich auf denselben Punkt.

Das Beiboot hob sich lautlos von der Plattform.

Ben beobachtete die Energieanzeige.

„Langsam vorwärts.“

Das Beiboot setzte sich in Bewegung.

Zunächst schwebte es nur wenige Zentimeter über dem Boden. Dann wurde es schneller.

Die Wände des Tunnels glitten vorbei.

Mia spürte jede Kurve bereits, bevor sie kam. Lina hielt die Richtung. Ben passte Höhe und Geschwindigkeit an.

„Das funktioniert“, sagte er erstaunt.

„Noch“, erwiderte Lina.

Hinter ihnen schloss sich das Tor der Station.

Im gleichen Moment traf eine weitere Schallwelle den Berg.

Auf Bens Anzeige erschien eine Warnung.

„Sie haben unsere Energie erfasst.“

Bens Stimme klang plötzlich viel ruhiger, als sein Gesicht aussah.

Mehrere rote Punkte bewegten sich auf der Karte.

„Sie richten ihre Geräte neu aus“, sagte Thalor.

Ben suchte nach dem Versorgungsknoten.

„Noch achthundert Meter.“

Der Tunnel wurde enger.

Felsvorsprünge ragten von den Seiten herein.

Lina wich nach links aus. Mia wollte gleichzeitig nach rechts.

Das Beiboot stoppte abrupt.

„Ihr müsst euch einigen!“, rief Thalor.

„Links ist zu eng“, sagte Mia.

„Rechts ist der Fels instabil“, entgegnete Lina.

Ben vergrößerte das Bild.

„Oben.“

„Was?“

„Das Schiff ist flacher, als es breit ist. Dreht es leicht und geht über den Vorsprung.“

Lina und Mia konzentrierten sich gemeinsam.

Das Beiboot neigte sich zur Seite und glitt durch die schmale Öffnung.

Ben grinste.

„Praktische Intelligenz.“

„Eigenlob später“, sagte Lina.

Der Versorgungsknoten erschien als silberne Kugel in einer kleinen Felshöhle.

Seine Oberfläche war von Rissen überzogen.

„Wie aktivieren wir ihn?“, fragte Ben.

„Das Beiboot muss seine Energie übertragen“, erklärte Thalor.

„Wie viel?“

„Fast die Hälfte unserer Reserve.“

„Dann reicht es noch für den Rückweg?“

Thalor schwieg.

Ben sah ihn an.

„Das war keine schwierige Frage.“

„Wenn alles planmäßig verläuft.“

„Und wann verläuft bei uns etwas planmäßig?“

Lina legte die Hand auf die Steuerfläche.

„Wir machen es.“

Mia stimmte zu.

Ben aktivierte die Übertragung.

Ein blauer Lichtbogen sprang vom Schiff zur Kugel.

Zunächst geschah nichts.

Dann erwachte der Versorgungsknoten.

Leuchtende Linien zogen sich über seine Oberfläche. Ein tiefer Ton erfüllte die Höhle.

Auf Bens Anzeige brach ein Gewitter aus Warnmeldungen los.

„Energiesignal steigt.“

„Wie stark?“, fragte Lina.

„Sehr stark.“

Thalor sah auf die Karte.

Die roten Punkte an der Station hielten an.

Dann bewegten sie sich geschlossen in Richtung des Steinbruchs.

„Sie folgen dem Signal“, sagte Mia.

Der Plan funktionierte.

Doch plötzlich leuchtete ein weiteres Symbol auf.

Ein einzelner roter Punkt blieb zurück.

Er bewegte sich nicht zum Steinbruch.

Er bewegte sich zum Ausgang des Tunnels.

Thalor beugte sich vor.

„Jemand hat unsere Flugbahn erkannt.“

„Wer?“, fragte Lina.

Auf dem Bildschirm erschien das Wärmebild eines Fahrzeugs.

Es raste über einen Forstweg.

Direkt auf den alten Stollen zu.

Ben schluckte.

„Dann wartet dort jemand auf uns.“

  1. Kapitel 11 – Verstärkung und Vertrauen

Das Beiboot schwebte regungslos im dunklen Tunnel.

Vor ihnen lag der Ausgang zum alten Stollen. Dahinter näherte sich das Fahrzeug der Suchmannschaft.

„Wie viel Zeit haben wir?“, fragte Mia.

Ben betrachtete die Anzeige.

„Höchstens drei Minuten.“

„Können wir einen anderen Ausgang nehmen?“

Thalor rief die Karte auf.

„Es gibt einen Wartungsschacht. Er endet im Wald, aber das Beiboot passt nicht hindurch.“

Lina sah auf das Fahrzeug.

„Dann steigen wir aus.“

„Und das Beiboot?“, fragte Ben.

„Es bleibt hier.“

Thalor schüttelte den Kopf.

„Wenn sie das Beiboot finden, ist alles verloren.“

„Dann schicken wir es zurück“, sagte Mia.

„Allein?“

Ben betrachtete die Steuerung.

„Das Beiboot kann einfache Befehle ausführen. Wir programmieren den Rückflug zur Station.“

„Die Station ist noch immer unter Beobachtung“, erinnerte Thalor.

Lina zeigte auf den Versorgungsknoten.

„Nicht mehr lange. Wenn der Knoten überlastet, fällt das Signal aus. Dann wissen sie nicht, wohin sie suchen sollen.“

Ben verstand.

„Wir schicken das Beiboot zurück, steigen durch den Wartungsschacht aus und gehen zu Fuß zum Lager.“

Thalor sah die Kinder ernst an.

„Damit bringt ihr euch mitten in ihr Gebiet.“

„Nur so kommen wir an das Fundstück“, sagte Lina.

Thalor sah sie lange an. Zum ersten Mal widersprach er nicht sofort.

Das Beiboot glitt zu einer kleinen Seitenkammer.

Dort öffnete sich eine schmale Luke.

Kalte, feuchte Luft strömte herein.

Ben programmierte den Rückweg. Das System bestätigte den Befehl mit einem sanften Ton.

„Kleiner“, murmelte er und strich kurz über die Steuerfläche, „mach keinen Unsinn.“

Mia sah ihn an.

„Du redest mit einem Fahrzeug.“

„Es hat uns gerade das Leben gerettet. Da darf man höflich sein.“

Die Kinder und Thalor stiegen aus.

Die Luke schloss sich.

Das Beiboot drehte lautlos und verschwand im Tunnel.

Kurz darauf hörten sie draußen einen Motor.

Das Fahrzeug hatte den Stolleneingang erreicht.

Stimmen erklangen.

„Hier muss das Signal enden.“

„Sichern Sie den Zugang.“

Lina deutete auf den Wartungsschacht.

„Los.“

Der Schacht war kaum breiter als ein Abwasserrohr.

Sie mussten hintereinander kriechen.

Mia führte, dann kam Lina, danach Ben. Thalor bildete den Schluss.

Der Boden war nass und rutschig. Wurzeln drangen durch Risse im Gestein.

„Wie weit noch?“, flüsterte Ben.

„Zweihundert Meter“, antwortete Thalor.

„Das fühlt sich nach zweitausend an.“

Seine Stimme klang halb im Scherz, halb todernst. Niemand lachte.

Plötzlich blieb Mia stehen.

„Vor uns ist etwas.“

„Was?“

„Ein Gitter.“

Lina kroch näher.

Das Gitter war alt, aber stabil. Dicke Streben versperrten den Weg.

„Kannst du es öffnen?“, fragte sie.

Mia tastete die Seiten ab.

„Es ist verschraubt.“

Ben schob sich mühsam nach vorne.

„Lasst mich mal.“

Er zog ein kleines Multifunktionswerkzeug aus der Jackentasche.

Lina starrte ihn an.

„Warum hast du das dabei?“

„Seit wir geheime Stationen besuchen, nehme ich nicht mehr nur Schulhefte mit.“

Er setzte das Werkzeug an einer verrosteten Schraube an.

Die erste bewegte sich kaum.

Ben presste die Lippen zusammen und versuchte es erneut.

Die Schraube gab nach.

Dann die zweite.

Bei der dritten brach ein Stück Metall ab.

Das Gitter hing schief, war aber noch nicht offen.

Hinter ihnen erklangen dumpfe Geräusche.

Die Suchmannschaft hatte den Tunnel betreten.

„Schneller“, flüsterte Mia.

„Ich gebe mir Mühe.“

Ben schob das Werkzeug zwischen Gitter und Fels.

„Alle drücken auf mein Zeichen.“

Lina, Mia und Thalor stemmten sich dagegen.

„Jetzt!“

Das Metall knirschte.

Ein Bolzen sprang heraus.

Das Gitter klappte nach außen.

Mia kroch hindurch.

Einer nach dem anderen folgte.

Kaum war Thalor auf der anderen Seite, zog Ben das Gitter zurück.

Es hing schief, wirkte im Dunkeln aber geschlossen.

„Nicht schlecht“, sagte Thalor.

Ben steckte das Werkzeug ein.

„Praktische Intelligenz.“

Der Schacht endete unter einer dichten Hecke.

Die vier krochen ins Freie.

Der Nebel hatte sich etwas gelichtet. Zwischen den Bäumen schimmerten die Lampen des Suchlagers.

„Das Lager liegt etwa fünfhundert Meter entfernt“, sagte Mia.

Thalor deutete in die entgegengesetzte Richtung.

„Ihr solltet zum Dorf zurückkehren.“

Lina sah ihn ungläubig an.

„Jetzt?“

„Ich kann das Fundstück holen.“

„Nein“, sagte Mia.

„Du kennst ihre Technik nicht so gut wie Ben.“

„Und du weißt nicht, wie Menschen auf Kinder reagieren“, ergänzte Lina.

Thalor hob eine Augenbraue.

„Wie reagieren sie?“

Ben grinste.

„Meistens unterschätzen sie uns.“

Es war nicht nur ein Spruch. Ben hatte es in den letzten Tagen selbst erlebt, wie oft Erwachsene an ihnen vorbeisahen, einfach weil sie Kinder waren.

Die vier näherten sich dem Lager von der Rückseite.

Dort stand das große Technikzelt. Zwei Personen bewachten den Eingang.

Im Inneren leuchtete der Behälter mit dem atlantischen Fundstück schwach blau.

Ben beobachtete die Stromkabel.

„Alle Geräte hängen an einem Generator.“

„Kannst du ihn ausschalten?“, fragte Mia.

„Ja. Aber dann wissen sie sofort, dass jemand hier ist.“

Lina blickte auf eine kleine Drohne, die auf einem Ladetisch stand.

„Wir brauchen eine Ablenkung.“

Mia sah zum Rand des Lagers. Dort standen mehrere leere Metallbehälter.

„Ich habe eine Idee.“

Wenige Minuten später schlich Mia durch das Unterholz zur anderen Seite der Lichtung.

Sie nahm einen kleinen Stein und warf ihn gegen einen der Behälter.

Das Metall schepperte laut.

Beide Wachen drehten sich um.

Ein zweiter Stein traf einen anderen Behälter.

„Da ist jemand!“

Die Männer liefen in Richtung des Geräusches.

Mia duckte sich hinter einen Baum und warf den dritten Stein weiter nach links.

Die Wachen folgten.

Gleichzeitig schlichen Lina und Ben zum Technikzelt.

Thalor blieb am Waldrand und beobachtete die Umgebung.

Ben öffnete vorsichtig die Zeltplane.

Drinnen saß eine Technikerin vor einem Bildschirm.

Sie bemerkte die Kinder nicht.

Lina deutete auf den Behälter.

Nur wenige Meter trennten sie davon.

Ben zog ein Kabel aus einem Verteiler.

Ein Teil der Anzeigen wurde dunkel.

Die Technikerin fluchte und beugte sich unter den Tisch.

Lina huschte zum Behälter.

Er war verschlossen.

„Ben!“

Er kam zu ihr.

Das Schloss besaß keine sichtbare Öffnung, nur ein digitales Feld.

„Das dauert.“

„Wir haben keine Zeit.“

Ben legte die Hand auf das Feld.

Zahlen erschienen.

„Vierstelliger Code.“

Lina blickte sich um.

Auf dem Tisch lag eine Karte. In einer Ecke stand mit Filzstift eine Zahl: 0714.

„Versuch die.“

Ben gab die Zahlen ein.

Das Schloss klickte.

„Warum schreibt jemand seinen Code auf eine Karte?“

„Weil Erwachsene manchmal auch nicht schlauer sind als Kinder.“

Lina öffnete den Behälter.

Das Fundstück leuchtete sofort heller.

Als sie es berührte, wurde ihr Symbol unter der Kleidung heiß.

Ein Bild erschien in ihrem Kopf: die Station, der Tunnel und weit draußen ein Lichtpunkt im Himmel.

Lina zuckte zurück.

„Was ist?“, fragte Ben.

„Ich habe etwas gesehen.“

Bevor sie mehr sagen konnte, richtete sich die Technikerin auf.

Sie starrte die Kinder an.

„Wer seid ihr?“

Ben reagierte sofort.

„Wir haben uns verlaufen.“

Die Frau blickte auf den geöffneten Behälter.

„Im abgesperrten Zelt?“

„Sehr gründlich verlaufen“, sagte Ben.

Die Technikerin griff nach ihrem Funkgerät.

Lina nahm das Fundstück.

„Lauf!“

Sie stürmten aus dem Zelt.

Alarmrufe erklangen.

Linas Herz hämmerte lauter als die Rufe um sie herum.

Mia kam ihnen entgegen.

„Zum Wald!“

Mehrere Personen liefen von allen Seiten herbei.

Der Expeditionsleiter trat aus dem Hauptzelt.

Als er die Kinder sah, blieb er stehen.

„Nicht schießen!“, rief er.

Niemand hatte eine Waffe gezogen, doch seine Worte machten deutlich, wie ernst die Lage war.

Lina, Ben und Mia erreichten den Waldrand.

Thalor wartete dort.

„Hier entlang!“

Sie rannten bergab.

Hinter ihnen wurden Taschenlampen eingeschaltet.

„Stehen bleiben!“, rief jemand. „Wir wollen euch nichts tun!“

Ben warf einen Blick zurück.

„Das sagen sie immer.“

Der Expeditionsleiter folgte ihnen nicht sofort. Stattdessen betrachtete er eine Aufnahme auf einem Tablet.

Darauf war Thalor zu sehen.

Seine Haltung.

Sein Gesicht.

Seine ungewöhnlich ruhigen Bewegungen.

„Wer ist das?“, fragte die Technikerin.

Der Leiter antwortete leise:

„Kein gewöhnlicher Wanderer.“

Die Kinder erreichten einen kleinen Bach.

Dahinter führte ein steiler Hang hinauf.

Mia sprang über das Wasser. Lina folgte.

Ben setzte ab, rutschte jedoch auf einem nassen Stein aus.

Er fiel ins flache Bachbett.

Das Fundstück glitt Lina aus der Hand.

Es landete im Wasser.

Sofort schoss blaues Licht durch den Bach.

Für einen Moment leuchtete jede Welle, jeder Stein und jede Pflanze.

Dann stieg aus dem Fundstück ein schmaler Lichtstrahl in den Himmel.

Weit über den Wolken wurde etwas sichtbar, das dort schon unterwegs war.

Ein Punkt erschien.

Dann zwei.

Dann drei.

Thalor sah nach oben.

Sein Gesicht wurde bleich.

„Das Signal hat die Atmosphäre verlassen.“

Lina hob das Fundstück aus dem Wasser.

„Was bedeutet das?“

Thalor blickte in den Himmel.

„Dass nicht nur die Menschen wissen, wo wir sind.“

  1. Kapitel 12 – Der Steinbruch

Der Lichtstrahl erlosch.

Doch die drei Punkte am Himmel blieben.

Sie bewegten sich langsam.

Zu langsam für Flugzeuge.

Zu gleichmäßig für Sterne.

Lina hielt das Fundstück fest in beiden Händen.

„Wer hat das Signal empfangen?“

Thalor antwortete nicht sofort.

Hinter ihnen kamen die Suchscheinwerfer näher. Stimmen hallten durch den Wald.

„Wir müssen weiter“, sagte Mia.

Thalor deutete auf einen schmalen Pfad.

„Dort entlang. Er führt zu einem alten Steinbruch.“

„Und dann?“, fragte Ben.

„Dann entscheiden wir, wem wir vertrauen können.“

Sie erreichten den Steinbruch kurz vor Mitternacht.

Hohe Felswände umgaben die verlassene Fläche. In einer Ecke stand eine halb verfallene Hütte.

Die vier versteckten sich dahinter.

Ben war durchnässt und fror. Mia hatte sich beim Laufen die Hand aufgeschürft. Lina hielt noch immer das Fundstück.

„Wir können nicht ewig weglaufen“, sagte sie.

Thalor nickte.

„Nein.“

„Die Suchmannschaft wird die Station finden.“

„Möglicherweise.“

„Und diese Punkte dort oben?“

Thalor sah zum Himmel.

„Das Fundstück stammt aus einer Zeit, in der Atlantis noch mit anderen Außenposten verbunden war.“

„Außenposten auf der Erde?“, fragte Mia.

„Nicht nur auf der Erde.“

Ben hörte auf zu zittern.

„Du meinst, da draußen sind noch andere?“

„Vielleicht.“

„Freunde?“

„Das weiß ich nicht.“

Ein Motorengeräusch näherte sich.

Ein einzelner Geländewagen fuhr in den Steinbruch.

Der Expeditionsleiter stieg aus.

Er war allein.

Langsam legte er sein Funkgerät auf die Motorhaube und hob beide Hände.

„Ich weiß, dass ihr hier seid.“

Niemand antwortete.

„Ich bin nicht gekommen, um euch festzunehmen.“

Ben flüsterte: „Das klingt beruhigend. Fast glaubwürdig.“

Der Mann sprach weiter.

„Meine Leute bleiben außerhalb des Steinbruchs. Ich möchte nur reden.“

Lina sah Thalor an.

„Können wir ihm vertrauen?“

„Das müsst ihr entscheiden.“

„Du weißt es nicht?“

„Vertrauen ist keine Messung.“

Lina blickte zu Ben und Mia.

Mia nickte zögernd.

Ben zuckte mit den Schultern.

„Weglaufen können wir später immer noch.“

Gemeinsam traten sie hinter der Hütte hervor.

Der Expeditionsleiter wirkte überrascht, als er die drei Kinder sah.

Noch überraschter war er, als Thalor folgte.

„Ihr habt unser Fundstück“, sagte er.

„Es gehört Ihnen nicht“, antwortete Lina.

„Und euch?“

Lina überlegte kurz.

„Auch nicht.“

Der Mann sah sie aufmerksam an.

„Dann sind wir uns wenigstens in einem Punkt einig.“

Der Mann, dessen Namen sie seit Wochen kannten, stand ihnen nun zum ersten Mal wirklich gegenüber: Dr. Elias Varn, Leiter der internationalen wissenschaftlichen Arbeitsgruppe.

„Wissenschaftlich?“, fragte Ben. „Mit Wachen, Drohnen und versteckten Lagern?“

„Nicht alle Funde sind ungefährlich.“

„Und nicht alle Wissenschaftler sehen aus wie Geheimagenten“, entgegnete Ben.

Varn ließ sich davon nicht provozieren.

„Wir haben im Pazifik Material entdeckt, das älter ist als jede bekannte Zivilisation. Es reagierte auf bestimmte Signale. Diese Signale führten uns hierher.“

„Der Komet“, sagte Mia.

Varn nickte.

„Sein Einschlag hat etwas freigelegt.“

Ben musterte ihn. „Und was haben Sie davon, wenn Sie es finden?“

Varns Mundwinkel zuckten – zum ersten Mal etwas, das kein reines Amtsgesicht war.

„Man hat mich in meiner Zunft lange einen Träumer genannt, weil ich an mehr geglaubt habe, als in den Lehrbüchern steht. Wer so etwas hier beweist, schreibt die Geschichte der Menschheit neu. Und wessen Name darübersteht, wird nicht mehr vergessen.“

„Ruhm also“, sagte Mia nüchtern.

„Nennt es, wie ihr wollt.“

Lina zeigte auf den Himmel.

„Und was ist dort oben?“

Zum ersten Mal verlor Varn seine ruhige Haltung.

Er blickte zu den drei Lichtpunkten.

„Das wissen wir nicht.“

Plötzlich ertönte sein Funkgerät.

„Dr. Varn, wir registrieren drei Objekte im oberen Luftraum. Keine Transpondersignale. Geschwindigkeit nimmt zu.“

Varn griff nach dem Gerät.

„Alle Einheiten zurückziehen. Keine Annäherung an den Berg.“

Eine Stimme widersprach.

„Aber wir haben die Zielpersonen lokalisiert.“

Varn sah zu den Kindern.

„Es gibt keine Zielpersonen.“

Noch bevor Varn das Funkgerät ausschalten konnte, raste am Rand des Steinbruchs ein zweiter Geländewagen heran. Die Frau mit den kurz geschnittenen Haaren sprang heraus. Zwei Männer folgten ihr.

„Treten Sie zur Seite, Dr. Varn“, rief sie. „Der Gegenstand wird gesichert.“

Varn stellte sich zwischen sie und die Kinder. „Sie haben meinen Befehl gehört. Alle Einheiten ziehen sich zurück.“

„Ihre Befehlsgewalt wurde soeben aufgehoben.“ Die Frau hob ein kleines Gerät. „Übergabe an die Sicherheitsleitung.“

Ben flüsterte: „Das klingt nicht gut.“

Die Männer kamen näher. Thalor bewegte sich nicht, doch die Luft um ihn begann schwach zu flimmern.

Varn nahm den Fahrzeugschlüssel von der Motorhaube und warf ihn weit in das Geröll. Dann trat er an den Stromkasten der mobilen Sondenanlage und riss den Hauptschalter herunter. Mit einem tiefen Heulen verstummten die Geräte am Bergrücken.

„Was tun Sie da?“, schrie die Frau.

„Ich verhindere, dass Sie auf ein unbekanntes System feuern, während drei ebenso unbekannte Objekte auf die Erde zufliegen.“

„Sie gefährden den Auftrag.“

„Nein“, sagte Varn. „Ihr Auftrag gefährdet uns alle.“

Das Sicherheitsteam zögerte nur den Bruchteil einer Sekunde. Das reichte Herrn Weber. Sein Geländewagen schob sich quer in die Zufahrt und blockierte den Weg weiterer Fahrzeuge.

„Die Bremsen waren schon immer etwas empfindlich“, rief er durch das offene Fenster.

Ben grinste trotz der Angst. „Jetzt glaube ich ihm die Sache mit dem Vermessungsbetrieb.“

Varn wandte sich an die Kinder. „Ich kann euch nicht zwingen, mir zu vertrauen. Aber ich kann dafür sorgen, dass niemand euch in den nächsten Minuten angreift.“

Lina sah zu Mia und Ben. Varn hatte nicht nur geredet. Er hatte sich gegen seine eigenen Leute gestellt und dabei alles riskiert, was ihm bisher Macht gegeben hatte.

„Dann helfen Sie uns“, sagte sie. „Alle müssen Abstand zum Fundstück halten.“

Er schaltete das Funkgerät aus.

Ben hob überrascht die Augenbrauen.

„Das war fast vernünftig.“

Thalor betrachtete die Anzeigen lange schweigend. „Code Alpha hat uns Zeit verschafft“, sagte er schließlich. „Mehr konnte dieses Verteidigungsprotokoll nicht leisten. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird die Station entdeckt.“ Lina sah ihn an. „Was bleibt uns noch?“

  1. Kapitel 13 – Die Flotte von Atlantis

Die letzten Stunden hatten gezeigt, dass Code Alpha nicht mehr ausreichte. Die Suchmannschaften standen kurz davor, die Station eindeutig zu orten.

Thalor sah auf die Anzeigen und sagte leise: „Wir können die Station nicht länger allein verteidigen.“ Er wandte sich an KERUS. „Sende den Atlantis-stilles Ortungssignal. Priorität Eins.“

„Bestätigt“, antwortete KERUS. „Quantenrelais wird aktiviert. Übertragung an Kepler-Vier läuft.“

Weit draußen, jenseits der Erdumlaufbahn, schlug in der Kommandozentrale der Außenbasis Kepler-Vier ein einzelnes Licht an.

Kommandantin Ilyra Sethkar richtete sich auf. Den stilles Ortungssignal-Code, der über den Hauptschirm lief, kannte sie nur aus den Archiven – gesehen hatte sie ihn noch nie.

„Bestätigt“, meldete ein Techniker neben ihr. „Ursprung: Sektor B, dritter Planet, verborgene Station. Absender-Signatur: Oberbefehlshaber Thalor.“

Ilyra atmete einmal tief durch. Zweihundert Jahre Stille – und dann das.

„Alarmstart“, sagte sie. „Alle einsatzbereiten Einheiten. Sofort.“

Über die gesamte Basis liefen rote Lichtbänder auf, begleitet von einem tiefen, pulsierenden Ton, der durch jeden Gang und jede Halle hallte. Tief unter der Kommandozentrale erwachten die großen Generatoren. Ein Brummen wuchs zu einem Dröhnen an, das durch Wände und Boden zugleich fuhr, bis es kaum noch als einzelner Ton zu erkennen war – ein Lärm, für den es kaum ein passendes Wort gab.

Hangartore öffneten sich, eines nach dem anderen, und gaben den Blick frei auf Reihe um Reihe wartender Schiffe, ihre Hüllen glänzten silbern im fernen Sonnenlicht.

„Fünfhundert Schiffe klar zum Start“, meldete der Techniker.

„Sammelpunkt Wega Vier“, befahl Ilyra. „Von dort aus in drei Verbänden Richtung Erde.“

„Und das Kommandoschiff?“

„Das Kommandoschiff bildet mit dreißig Begleitschiffen den Führungsverband. Alle übrigen Einheiten sammeln sich planmäßig bei Wega Vier.“

Ilyra trat einen Schritt nach vorn. „Sobald die Verbände vollständig formiert sind, beginnt der Sprung zur Erde. Keine Abweichungen.“

Lautlos verließen die ersten Schiffe des Hauptverbandes die Hangars. Immer mehr Einheiten folgten, bis sich über Kepler-Vier eine gewaltige Flotte aus fünfhundert Schiffen gebildet hatte. Gemeinsam nahm sie Kurs auf den Sammelpunkt Wega Vier.

Bei Wega Vier ordneten sich die Schiffe zu drei mächtigen Großverbänden. Bevor die Formation vollständig hergestellt war, gab Ilyra den nächsten Befehl.

Unverzüglich wurde die Soforteingreiftruppe Alpha alarmiert. Drei der schnellsten und kampfstärksten Schiffe trennten sich vom Verband, beschleunigten auf Höchstgeschwindigkeit und flogen dem Hauptverband weit voraus. Sie sollten das Sol-System erreichen, sichern und Thalor unterstützen, bis die gesamte Flotte Stunden später eintraf.

Ein tiefer Ton zog über den Himmel.

Das Fundstück in Linas Händen begann erneut zu leuchten.

Diesmal erschien kein Strahl.

Stattdessen bildete sich über der silbernen Oberfläche ein kleines Bild.

Eine Karte.

Das Siegerland.

Die Station.

Der Steinbruch.

Und drei Punkte, die sich vom Himmel näherten.

Dazwischen erschien ein weiteres Symbol.

Eine Linie führte von der Station zu den Lichtpunkten.

„Es versucht Kontakt aufzunehmen“, sagte Thalor.

„Kannst du es stoppen?“, fragte Mia.

„Nein.“

„Dann tun wir es“, sagte Lina.

Thalor sah sie an.

„Wie?“

Lina betrachtete das Fundstück.

„Die Symbole haben immer auf uns reagiert.“

Ben zog sein eigenes Zeichen unter dem Pullover hervor. Mia tat es ihm gleich.

Alle drei Symbole leuchteten.

„Vielleicht braucht es nicht Thalor“, sagte Lina. „Vielleicht braucht es uns.“

Sie stellte das Fundstück auf einen flachen Stein.

Dann legten die drei Kinder ihre Hände darum.

Sofort wurde die Welt um sie herum still.

Der Steinbruch verschwand.

Lina sah ein Meer aus Sternen.

Ben hörte Stimmen, die keine Sprache bildeten und die er trotzdem verstand.

Mia spürte eine große Entfernung, Kälte und Einsamkeit.

Vor ihnen erschien das Zeichen mit den drei verschlungenen Linien.

Doch diesmal war es unvollständig.

Ein Teil fehlte.

„Wir müssen es schließen“, sagte Mia.

„Wie?“, fragte Ben.

Lina wusste es plötzlich.

„Gemeinsam.“

Sie konzentrierten sich auf denselben Gedanken:

Diese Welt ist bewohnt. Sie gehört niemandem allein. Niemand darf sie beherrschen.

Das Zeichen schloss sich.

Ein goldener Kreis entstand.

Die drei Punkte am Himmel hielten an.

Dr. Varn trat einen Schritt zurück.

„Was tut ihr?“

Thalor hob die Hand.

„Warten.“

Nicht laut, aber überall zugleich – ein Summen, das man weniger hörte als tief in der Brust spürte.

Lina bemerkte, wie sich die Härchen auf ihren Armen aufstellten. Neben ihr hielt Ben unwillkürlich den Atem an.

Die Wolken teilten sich, langsam, als schöbe eine unsichtbare Hand sie auseinander. Ein kaltes, silbernes Licht fiel in den Steinbruch und ließ jeden Schatten scharf hervortreten.

Für einen Moment wurden drei dunkle Formen sichtbar. Dann teilten sich die Wolken vollständig – und dahinter erschien, was die drei nur angekündigt hatten: Reihe um Reihe gewaltiger, lautloser Schiffe, so viele, dass ihr Schatten den gesamten Steinbruch in Dunkelheit tauchte, als wäre die Nacht ein zweites Mal über das Land gefallen. Riesig und reglos standen sie am Himmel, weit oberhalb der Erde. Mia griff nach Linas Hand, ohne hinzusehen.

„Sie haben meinen stilles Ortungssignal gehört“, sagte Thalor leise.

Dann leuchtete das Fundstück in Linas Hand grell weiß auf, sodass sie kurz blinzeln musste. Ein sanfter Druck legte sich hinter ihre Stirn, als klopfe jemand von innen an eine Tür.

Eine Botschaft erschien.

Nicht auf einem Bildschirm.

In den Gedanken aller Anwesenden.

Keine Worte.

Nur Bilder:

Atlantis.

Eine blühende Stadt.

Ein Streit um Macht.

Zerstörung.

Flucht.

Verborgene Stationen.

Und eine Warnung.

Wer die alte Technik erneut für Herrschaft, Krieg oder Gewinn nutzte, würde dieselbe Katastrophe wiederholen.

Und ein weiteres Bild, klarer als alle anderen: Augen, die niemals schliefen. Von nun an würde jeder Missbrauch gesehen – und nicht ohne Antwort bleiben.

Dann erschien ein letztes Bild:

Drei Kinder, die zwischen der Erde und den fremden Schiffen standen.

Nicht als Soldaten.

Nicht als Herrscher.

Als Wächter.

Das Licht erlosch.

Lina spürte, wie ihre Knie zitterten, als hätte sie gerade einen weiten Weg zurückgelegt, ohne sich von der Stelle zu bewegen. Der Druck hinter ihrer Stirn verschwand langsam, wie ein Echo, das verklingt.

Die dunklen Formen verschwanden zwischen den Sternen.

Auf Varns Funkgerät meldete sich eine aufgeregte Stimme.

„Die Objekte entfernen sich. Sie verlassen die Atmosphäre.“

Niemand sprach.

Ben war der Erste.

„Das war knapp.“

Mia setzte sich auf einen Stein.

„Sehr knapp.“

Lina nahm das Fundstück wieder an sich.

Es war jetzt kalt und dunkel.

Dr. Varn stand reglos da, das Gesicht bleich. Was auch immer er gesehen hatte – es hatte ihn getroffen.

Dann sah er die Kinder lange an.

„Ihr habt sie weggeschickt.“

„Wir haben ihnen gesagt, dass die Erde nicht leer ist“, sagte Lina.

„Und dass sie nicht ihnen gehört“, ergänzte Mia.

Ben sah Varn an.

„Das gilt übrigens auch für geheime Einsatzgruppen.“

Varn ging einige Schritte durch den Steinbruch.

„Meine Auftraggeber werden Antworten verlangen.“

„Was werden Sie ihnen sagen?“, fragte Lina.

Er blickte zu Thalor.

Dann zur dunklen Bergkuppe, unter der die Station verborgen lag.

„Dass unsere Messungen durch den Kometeneinschlag gestört wurden. Dass das Fundstück bei der Analyse zerstört wurde. Und dass es keine Hinweise auf eine künstliche Anlage gibt.“

Thalor musterte ihn.

„Warum?“

Varn antwortete ruhig:

„Weil ich gerade gesehen habe, was geschieht, wenn Menschen etwas finden, für das sie noch nicht bereit sind.“

Er sah auf seine eigenen Hände, als gehörten sie gerade jemand anderem.

„Ich wollte der Mann sein, der Atlantis beweist. Der, an den man sich erinnert. Jetzt weiß ich, dass es nie um den Beweis ging. Es geht darum, was man tut, sobald man ihn hat.“

„Ihre Leute haben Bilder von uns“, sagte Ben.

„Die werden verschwinden.“

„Und das Lager?“

„Wird morgen abgebaut.“

Lina trat näher.

„Wir vertrauen Ihnen nicht einfach.“

Varn nickte.

„Das solltet ihr auch nicht.“

„Wir werden Sie beobachten“, sagte Mia.

„Damit habe ich gerechnet.“

Am nächsten Morgen wirkte das Siegerland wieder beinahe gewöhnlich.

Die Geländewagen verließen den Wald.

Die Zelte verschwanden.

Die Sonden wurden abgebaut.

Im Dorf erzählte man sich, eine geologische Untersuchung sei früher beendet worden als geplant.

Niemand wusste etwas von der Station.

Herr Weber erklärte später im Ort, die Messungen hätten Hinweise auf instabiles Gestein ergeben. Deshalb sei der Wald vorübergehend gesperrt worden. Die Geschichte war langweilig genug, dass fast jeder sie glaubte.

Sein Vertrag mit GeoScan wurde noch am selben Tag beendet. Zwei Wochen lang wusste er nicht, ob sein Betrieb die Sache überstehen würde. Dann erhielt er mehrere Aufträge aus der Region. Offenbar hatte sich herumgesprochen, dass er eine riskante Bohrung verhindert hatte. Den wahren Grund kannte niemand.

Dr. Varn verschwand zunächst aus der Öffentlichkeit. Einmal erreichte Thalor eine kurze, stark verschlüsselte Nachricht: DIE DATEN SIND GELÖSCHT. NICHT ALLE GLAUBEN MEINEM BERICHT. SEID VORSICHTIG.

Zu Hause war die Lage schwieriger.

Linas Eltern saßen im Wohnzimmer, als sie zurückkam. Ihre Mutter stand sofort auf und zog sie an sich.

„Ein Schulprojekt bis tief in die Nacht?“, fragte ihr Vater. Er klang nicht wütend, sondern enttäuscht. Das war schlimmer.

Lina setzte sich zu ihnen. Sie konnte nicht alles erzählen. Aber sie sagte, dass sie mit Mia und Ben im Wald gewesen war, dass es gefährlicher geworden war als erwartet und dass es falsch gewesen war, sich nicht früher zu melden.

„Ich verspreche nicht, dass ich nie wieder etwas Schwieriges tun muss“, sagte sie. „Aber ich verspreche, dass ich euch nicht noch einmal so lange im Ungewissen lasse.“

Ihre Eltern verstanden nicht, was wirklich geschehen war. Doch sie merkten, dass Lina es ernst meinte.

Bei Mia verlief das Gespräch ähnlich. Ihr Bruder hatte längst vermutet, dass das angebliche Schulprojekt nicht die ganze Wahrheit war. Er stellte keine weiteren Fragen, nachdem Mia ihm versprochen hatte, künftig wenigstens ein Lebenszeichen zu schicken.

Ben erwartete eine lange Standpauke. Stattdessen legte seine Mutter nur die Hände auf seine Schultern.

„Ich muss nicht jedes Geheimnis kennen“, sagte sie. „Aber ich muss wissen, ob du sicher bist.“

Ben schluckte. „Das war ich nicht immer.“

„Dann sorg beim nächsten Mal dafür, dass du Hilfe holst, bevor es zu spät ist.“

Am folgenden Tag brachten die drei gemeinsam die gesammelten Decken und Hygieneartikel zur Schule. Zwischen all den Kartons und Listen wirkte ihr Abenteuer weit entfernt. Doch Lina wusste nun, dass beides zusammengehörte: die großen Gefahren und die kleinen Entscheidungen, mit denen Menschen einander halfen.

Niemand sprach von den fremden Objekten am Himmel.

Nur einige Menschen berichteten von einem ungewöhnlichen Leuchten über den Bergen. Andere hielten es für Wetterleuchten.

In der Schule saßen Lina, Ben und Mia nebeneinander.

Herr Schneider schrieb Aufgaben an die Tafel.

Ben blickte aus dem Fenster.

„Komisch“, flüsterte er.

„Was?“, fragte Mia.

„Gestern haben wir möglicherweise die Erde gerettet. Heute schreiben wir einen Mathetest.“

Lina lächelte.

„Das eine schließt das andere nicht aus.“

„Sollte es aber.“

Am Nachmittag trafen sie Thalor in der Station.

Die Schäden waren geringer als befürchtet. Das Tarnfeld arbeitete wieder. Das Beiboot war selbstständig zurückgekehrt und stand auf seiner Plattform.

Ben legte die Hand auf ihre Oberfläche.

„Gute Arbeit.“

Ein Licht blinkte kurz auf.

„Sie hat mich verstanden“, sagte er.

Mia verdrehte die Augen.

„Natürlich.“

Thalor trat zu ihnen.

„Ihr habt gestern eine Entscheidung getroffen, die selbst viele Erwachsene nicht getroffen hätten.“

Lina sah ihn an.

„Welche?“

„Ihr habt Macht nicht mit Macht beantwortet.“

„Wir hatten gar keine Waffen“, sagte Ben.

„Gerade deshalb war eure Entscheidung so stark.“

Mia betrachtete das dunkle Fundstück.

„Ist die Gefahr vorbei?“

Thalor schwieg kurz.

„Diese Gefahr.“

„Und die anderen?“

„Es wird weitere geben.“

Ben seufzte.

„Das dachte ich mir.“

Lina sah zu den Wolken über dem Siegerland, hinter denen sich die Sterne verbargen. Was auch immer als Nächstes kam – heute Abend hatten sie sich diese Ruhe verdient.

  1. Schlusswort

In jener Nacht verbargen sich die Schiffe nicht hinter Wolken.

Die drei Verbände trafen fast gleichzeitig ein – aus unterschiedlichen Richtungen, lautlos und ohne Vorwarnung. Wo sie sich näherten, verdunkelte sich der Himmel, als schöbe sich eine zweite Dämmerung über den Tag. Die Sonne verschwand hinter Reihe um Reihe gewaltiger, silbern schimmernder Rümpfe, so groß, dass ganze Stadtviertel in ihrem Schatten lagen.

Die gesamte Flotte stand sichtbar über der Erde: fünfhundert Robotschiffe der neuesten Generation, jedes von ihnen vollständig autark, ohne eigene Besatzung. In ihrer Mitte schwebte, umgeben von seinen dreißig Begleitschiffen, das Kommandoschiff – größer als alle anderen, ruhig und reglos wie ein Wächter über allem darunter.

Von den Hügeln des Siegerlands bis zu den größten Metropolen der Welt blickten Milliarden Menschen fassungslos in den verdunkelten Himmel. Andernorts, wo gerade erst Mittag war, sprangen Straßenlaternen an. Für die meisten von ihnen waren die Fremden noch immer ein Rätsel.

In der verborgenen Station herrschte Stille, so vollkommen, dass Lina das leise Summen der Projektion hören konnte. Lina, Ben und Mia standen neben Thalor und blickten auf die Projektion der Erde.

Plötzlich flackerten sämtliche Bildschirme. Im selben Augenblick schalteten sich überall auf der Erde Fernseher, Handys, Computer und Anzeigetafeln ein. Ein fremdes goldenes Symbol erschien, so hell, dass es sich auf jeder Netzhaut einzubrennen schien.

Dann erklang eine ruhige Stimme. Jeder Mensch hörte sie in seiner eigenen Sprache.

„Bewohner von Terra … hört aufmerksam zu.“

„Wir sind die Vereinigte Flotte des Sternenrates.“

„Wir kommen nicht als Eroberer.“

„Die Gefahr, die eure Welt bedrohte, ist gebannt.“

„Doch eure Welt ist nicht länger verborgen.“

„Von diesem Tag an wisst ihr, dass ihr nicht allein seid.“

„Bewahrt euren Frieden.“

„Bewahrt eure Freiheit.“

„Denn von heute an seid ihr Teil einer größeren Gemeinschaft zwischen den Sternen.“

Dann, ohne ein weiteres Wort, teilte sich die Flotte. Große Verbände lösten sich aus der Formation über dem Siegerland und standen wenig später lautlos über den Metropolen der ganzen Welt – über New York, Tokio, Kairo, Sydney, Berlin.

Für einen Herzschlag lang geschah nichts. Dann erloschen auf der ganzen Welt für ein Stunde sämtliche Satelliten. Bildschirme wurden schwarz, Navigationsgeräte verstummten, Funkverbindungen brachen ab.

Als alles zurückkehrte, war klar, was diese Stunde bedeutet hatten: Sie konnten es jederzeit wieder tun.

Das Signal endete. Noch einige Minuten blieb die Flotte reglos über der Erde. Dann verschwanden die gewaltigen Schiffe eines nach dem anderen lautlos im Licht der Sterne.

Ben brach als Erster die Stille. „War das wirklich alles?“

Thalor lächelte. „Nein. Aber von heute an ist die Welt nicht mehr blind für das, was über ihr liegt. Unsere Aufgabe als Wächter geht weiter – nur beginnt jetzt auch die Aufgabe der Menschheit.“

Lina trat an den Ausgang der Station und blickte in den klaren Nachthimmel. Er sah aus wie immer. Und doch wusste sie, dass nichts mehr so sein würde wie zuvor.

Sie nahm ihr Wächterzeichen in die Hand und lächelte Ben und Mia an.

„Kommt“, sagte sie leise. „Gehen wir nach Hause.“

Noch nicht genug von Lina, Ben und Mia?

Die drei Freunde erleben noch viele weitere Abenteuer im Siegerland und darüber hinaus – von verborgenen Schätzen über vergessene Stollen bis hin zu Geheimnissen, die niemand mehr für möglich gehalten hätte.

Alle Bücher der Reihe findest du bei Amazon unter dem Suchbegriff „Lina Ben Mia“ oder unter dem Autorennamen Lothar Reuter.

Impressum

Titel des Buches: Wächter des Siegerlands – Band 13 – Dunkle Schatten über Terra
Autor: Lothar Reuter
Anschrift: Lothar Reuter, Rothebornsweg 9, 57290 Neunkirchen, Deutschland

E-Mail: LotharReuter@web.de
1. Auflage 2026
© 2026 Lothar Reuter. Alle Rechte vorbehalten.

Verantwortlich für den Inhalt:

Lothar Reuter, Rothebornsweg 9, 57290 Neunkirchen, Deutschland
Druck und Vertrieb:
Vertrieb der E-Book-Ausgabe: Amazon Kindle Direct Publishing

Die Inhalte dieses Buches unterliegen dem Urheberrecht. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts bedarf der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Haftungsausschluss

Dieses Buch ist eine fantastische Jugendgeschichte — geschrieben für Leserinnen und Leser ab 12 Jahren. Die Inhalte enthalten fiktive sowie frei interpretierte historische und regionale Elemente.

Hinweis zu den verwendeten Abbildungen

Die im Buch enthaltenen Illustrationen wurden mithilfe von ChatGPT (OpenAI) nach inhaltlichen und gestalterischen Vorgaben des Autors KI-basiert erstellt.

Verwendetes Tool: ChatGPT (OpenAI) — https://chat.openai.com

Über den Autor

Ein Weg, geprägt von Begegnungen

Lothar Reuter, geboren 1956 in Kreuztal, blickt auf ein vielseitiges Berufsleben zurück. Nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann war er viele Jahre im IT-Bereich eines Energienetzbetreibers tätig. Dabei begegnete er Menschen in ganz unterschiedlichen Rollen und Verantwortungsbereichen — Erfahrungen, die seine Sicht auf Zusammenarbeit, Vertrauen und Kommunikation nachhaltig geprägt haben.

Seit seinem Ruhestand engagiert er sich aktiv in seiner Heimatregion, unter anderem im Heimatverein. Bereits zuvor war er in verschiedenen Vorstandsämtern örtlicher Vereine tätig.

Als Vater dreier erwachsener Kinder und stolzer Großvater von vier Enkelkindern schöpft er aus einem reichen Schatz persönlicher und beruflicher Erfahrungen.

Lothar Reuter lebt mit seiner Frau in Struthütten im Siegerland.

Danksagung

Ein persönliches Wort vorab

Mein herzlicher Dank gilt meiner Frau Anke Reuter.

Anke hat dieses Buch mit großer Sorgfalt mehrfach Korrektur gelesen und mir wertvolle Impulse zum Inhalt gegeben. Ihre Geduld, ihr kritischer Blick und ihre liebevolle Unterstützung haben maßgeblich dazu beigetragen, dass diese Geschichte ihre heutige Form gefunden hat.

Viele Gedanken, Ideen und kleine Details dieses Buches wären ohne ihre Unterstützung nicht entstanden.